Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 59. Band.1929
Seite: 172
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A. GIACOMETTI. GLASFENSTER „JUDASKUSS" IN DER KIRCHE ZU KILCHBERG BEI ZÜRICH

VOM DEUTSCHEN SELBSTBILDNIS

Jede künstlerische Anteilnahme des Deutschen
ist von vornherein irgendwie psychologischer
Natur. Operiert er mit dem Begriffe „schön",
so meint der Deutsche zumeist „tief" oder
„interessant", auch da, wo er guten Glaubens
ist, „rein" ästhetisch zu werten. Nie hat er, dem
nichts Menschliches fremd ist, ein l'art pour
l'art gekannt, weder als Genießender noch als
Schaffender. Bedeutung ist ihm alles. Kein
künstlerisches Problem ist jedoch tiefer in der
Sphäre des Psychologischen verwurzelt als das
des Selbstporträts. Hier hebt sich als erste
Frage nicht die nach dem Wie, sondern nach
dem Wer der Erscheinung. Das Bild braucht
hier nicht wie ein anderes Kunstwerk mehr oder

weniger auf Umwegen als Bekenntnis ausgedeutet
zu werden, seinem eigentlichen Wesen
nach ist es Bekenntnis. Und doch nicht nur
Bekenntnis. Vor dem allberühmten Selbstbildnis
Durers in der Münchner Pinakothek stellt
Wöüflin fest, dies sei Dürer, so wie er sein
wollte, nicht wie er war. Dies aber ist kein
Einzelfall, und es läßt sich verfolgen, wie es
im besonderen Selbstbildnisse deutscher Künstler
sind, die Beispiele für jenen Typus des
Selbstbildnisses als Verwirklichung der eigenen
Ich-Sehnsucht darstellen, bei dem der Spruch
des Mystikers seine besondere Geltung hat:
„Vor jedem steht ein Bild des, das er werden
soll."

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