Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 59. Band.1929
Seite: 185
(PDF, 106 MB)
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KARL ARNOLD

In Karl Arnolds Persönlichkeit vereinigt sich
individuelles Wesen und künstlerische Leistung
zu einer Homogenität, wie sie nur höchst seilen
vorkommt. Es gibt Künstler, deren Schaffen
sich wie irgendein manueller bürgerlicher Beruf
, absolut losgelöst von ihrem Menschentum,
gleichsam von selbst vollzieht; es gibt stille
sinnierliche Männer, die mit dem Bleistift in
der Hand tollste Allotria treiben: dieser Art
waren Busch und Oberländer; ich kenne aber
auch Künstler, die in ihrem privaten Leben
von überschäumender Lebenslust und ausgelassener
Heiterkeit sind, sobald sie aber vor
eine Leinwand treten, von nazarenischer Andacht
umfangen werden und Bilder von rührender
Frömmigkeit, von erschütterndem Ernst
schaffen. Von dieser Art ist nun eben Arnold
nicht. Gewiß, auch er hat einmal religiöse Gemälde
größten Formats gemalt, aber das war
noch im Umkreis der Stuck-Schule und unter
den Auspizien der Akademie, es war wie eine

Krankheit, die ausgeschwitzt werden mußte,
wie ein Läuterungsprozeß, der überstanden
sein wollte. Dann fand Arnold sich selbst, ganz
naturnotwendig, automatisch, zwangsläufig.
Und es entstand die erwähnte merkwürdig vollständige
Ubereinstimmung von Persönlichkeit
und Leistung, von Mensch und Werk. In jedem
Zug der Erscheinung Arnolds, seines Wesens,
seiner Rede und seiner Gebärde steckt etwas,
das in seiner Kunst wiederkehrt. Der Hang
zur Karikatur des Spießbürgertums bekundet
sich bei ihm nicht allein in seinen Zeichnungen.
Noch drastischer und schaubarer wurde und
wird er in Arnolds mimischen Gestaltungen.
Er ist ein Genie der Maske, wie er ein Genie
der Stegreifrede ist. Man mußte ihn sehen auf
dem leider nicht mehr wiederholten, einst Jahr
um Jahr aufgeführten Künstlerfest „Vorstadthochzeit
". Es ging dabei um die ironische Verherrlichung
der Kitschideale des Kleinbürgers.
Arnold, der den Spießer mit einer ebenso zärt-

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