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OSKAR GAWELL.
AUS POSITANO
OSKAR GAWELL. ITALIENISCHE LANDSCHAFTEN
Um es vorwegzunehmen: in dem Maler Oskar
Gawell sehen wir eine feine, malerische Kraft,
die wenig beinflußt von den Tendenzen des
Tages ihren Weg zunehmender Reife unbeirrt
dahinschreitet.
Zuerst fielen einem einige Aquarelle auf, die
die siebenbürgische Landschaft in den tiefen
Tönen einer eigenwilligen Farbigkeit zu bannen
versuchte. Aus dieser Malerei klang vernehmlich
die Freude, das dargestellte Objekt gerade
durch die Farbe in eine magische Irrealität
zu verwandeln. Die Bilder besaßen zuweilen
etwas Illuminiertes, die Phantastik eines nächtlichen
Lampions, auf dem sich'Frauen undTiere
zwar leicht umgrenzt, dennoch wolkig in der
Einheit einer leuchtenden Landschaft verloren.
Nun ist Gawell von einer Italienreise zurückgekehrt
, wo er sich in langer Arbeit gezwungen
sah, mit einer Landschaft auseinanderzusetzen,
die ein anderes und fremdes Gesetz regiert.
Seine Aquarelle verdienen es, aus der Uberzahl
italienischer Bilder, die deutsche Maler in den
letzten Jahren dargestellt haben, herausgehoben
zu werden. Gawell entstammt einer Gegend, wo
sich unendliche Horizonte mit dem Himmel
vermählten, wo die tonige Farbigkeit einer
schwimmenden Atmosphäre den Künstler
zwang, den rein malerischen Reiz mit dem
Pinsel festzuhalten. Nun im Süden fand er die
Aufgabe, eine lineare und scharf umrissene
Erscheinung festzuhalten. Nichts mehr zitterte
im Dunst. Die Dinge besaßen Plastik und Klarheit
und verlangten zeichnerische Durcharbeitung
und straffste Komposition. Nicht mehr
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