http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_59_1929/0255
ADOLF ERBSLOH. PRIMEL
PHANTASIE UND FORM
Der Künstler bildet, was er sich vorstellt. Seine
Vorstellungen sind die Kinder seiner Phantasie,
des Urquells alles Schaffens. Wie wir uns, um
mit Kant und Schopenhauer zu reden, aus unseren
apriorischen Anschauungsformen Raum,
Zeit und Kausalität die Welt, in der wir leben,
aufbauen, so schafft sich der Künstler aus seiner
Phantasie die ihm eigene Vorstellungswelt.
Die Phantasie wird befruchtet durch äußere Anregungen
und innere Erlebnisse: so gebiert
sie die künstlerischen Vorstellungen, diese aber
drängen zur sichtbaren Gestaltung, zur lebendigen
Form: so entsteht das Kunstwerk.
Die seine Vorstellungswelt offenbarende, ihr
adäquate Form zu finden, bildet die eigentliche
Tätigkeit des Künstlers, sie bedeutet ihm zu-
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