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VAN GOGH. DER SÄMANN. 1888/89
Sammlung Kröller, Haag
hältriis zur Menschheit, mit der er sich verbunden
fühlte. Die Ausül)ung der Kuusl bedeniete
für ihn das Erlullen einer Mission, zu der er ge-
trieben wurde von denselben allruislischen Neigungen
, aus denen heraus er einst den Bergarbeitern
in ihrem dunklen Dasein durch „Gottes
Wort" Labsal zu spenden suchte. Wie er
aber dieses christliche Werk nicht mit der Autorität
eines iheologisch beschlagenen Veikündiger
GotlesWortes ausüble, sondern, „um ein
wenig Trost in das Leben zu bringen", so war er
auch als KunsterschalFer durchaus kein ästhetischer
Eiferer.
Es ist immer etwas bedenklich, sich in Betrachtungen
über den geistigen Inhalt eines Kunstwerks
zu ergehen, weil man sich dabei leicht in
selbstgefällige, subjektive Beschallungen verheil,
die kaum noch im Zusammenhang mit dem betreffenden
Objekt stehen. Ethische Eigenschaften
oder Absichten, die aus ihm zu erraten sind,
geben einem Kunstwerk nicht seine ästhetische
Bedeutung, was aber andererseits doch nicht sagen
will, daß die innere, geistige Struktur bei der
Wertschätzung des stofflichen Äußeren unwesentlichwäre
. Ein Kuustwerkist wieeineFrucht:
der im Fleisch verborgene Kern — wie die Seele
im Körper — entwickelt sich in einer bestimmten
Weise zu seiner endgültigen Form. Nur lastend
und dem Gefühle nach können wir feststellen
, ob das Kernwesen von Wert ist; wir
trachten, uns auf dem Wege der Sinnesorgane
von diesem Werte zu überzeugen, wenn uns die
Frucht durch ihre äußere Blüte anzieht. Ist aber
das Innere faul, so wird sich das auch in der Umhüllung
offenbaren.
Das ethische und ästhetische Element sind in
Vincents Kunst untrennbar in dem Sinne, daß
das letztere die Bestätigung ist der Wahrhaftig-
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