Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 59. Band.1929
Seite: 216
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VAN GOGH. BERGLANDSCHAFT. 1890
Sammlung Kröller, Haag

keit des ersteren. Eine Würdigung des geistigen
Inhalts und eine Wertschätzung der äußeren
Form, jedes an und für sich, wäre hier ebenso
ungereimt, als wenn man die Schönheit der Eogik
in der Struktur eines Bauwerkes erst anerkennen
wollte, um danach, während man die daraus sich
ergebende Formbildung übersieht, einen willkürlichen
Maßstab für die ästhetische Seite anzulegen
.

Das Werk V incents ist nichts weniger als ausschließlich
ästhetisch — darum ist es ihm letzten
Endes nicht zu tun. Wir könnten selbst die
Frage stellen: War er sich, während er malte,
selbst wohl bewußt, daß er Kunst produzierte,
so wie wir uns davon doch auch erst Rechenschaft
ablegen können, nachdem wir ergriffen
wurden von der expressiven Macht seiner Ausdrucksform
.

Dies führt dann unwillkürlich zu der sachlichen

Betrachtung und zu der Frage, ob wir nicht darin
auch die Erklärung suchen müssen der erst so
spät erfolgten Anerkennung und des noch immer
wachsenden Interesses für van Gogh, während
soviel Namen, die einmal einen guten
Klang hatten, schon wieder vergessen sind oder
sich überlebten. Die allgemeinen Auffassungen
und Begriffe über Kunst waren allmählich dahin
gelangt, der äußeren Form eine übermäßige
Bedeutung beizumessen, während dasjenige, das
allein einem Kunstwerk Daseinsberechtigung
geben kann — das aufrichtige und selbstvergessene
menschliche Bekenntnis —, von geringerem
Wert geachtet wurde als die schöne Hülle.
Aber die Zeichen sind da, daß dies anders wird
und daß auch die gangbaren Ansichten über die
Tendenz in einem Kunstwerk auf einem Irrwege
befunden und revidiert werden und daß kommende
Geschlechter in Kunstschöpfungen zu-

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