http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_59_1929/0294
TEPPICH MIT LIEBESPAAR AUF DER HIRSCHJAGD
New York, Sammlung P. W. French & Co.
sitzen, welcher kaum noch etwas hinzuzufügen
sein wird.
Der Inhalt des Textbandes, welcher reich mit
vergleichendem Bildmaterial ausgestattet ist,
ist übersichtlich geordnet. Bei der Erläuterung
der Technik tritt die Verfasserin der bisherigen
Ansicht entgegen, nach der bereits im Mittelalter
sowohl die vertikale (basse-lisse) als auch
die horizontale (haute-lisse) Webtechnik in
Übung gewesen wäre. Weitaus der überwiegende
Teil der Webarbeiten des Mittelalters ist auf
dem Haute-lisse-Stuhl angefertigt worden. Im
Entwicklungsgang der Webkunst klafft noch
eine Lücke zwischen den Erzeugnissen der
Antike und den monumentalen YYandbehängen
der romanischen Zeit, eine Lücke, welche auch
die Verfasserin nicht mit Sicherheit überbrücken
kann. Mit größerer Wahrscheinlichkeit glaubt
sie an ein Weiterleben und Wiederaufleben
antiker Kunstübung im Gegensatz zu der bisherigen
Ansicht, nach welcher die vom Orient
heimgekehrten Kreuzfahrer ein neues Entfalten
der Wirk- und Webkunst hervorgerufen
hätten. Das Durchforschen dokumentarischer
Nachrichten von der vorkarolingischen Zeit
bis zum 11. Jahrhundert gibt keinen sicheren
Anhalt zur Frage, ob die häufig überlieferten
Beschreibungen von Textilien in Kirchen und
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