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F.M.JANSEN. STRASSE AM GARDASEE. RADIERUNG
DER RADIERER F.M.JANSEN
Eigentlich ist er auch Maler. Er ist es so sehr,
daß Jansen mit dieser Uberschrift Unrecht geschieht
. Aber ich füge mich einem Wunsche
der Redaktion, die zunächst einmal den Radierungen
dieses etwas abseitigen Künstlers gerecht
werden möchte. Auch sei es gleich ausgesprochen
, daß das fast inbrünstige Ringen des aus
dem Rheinland gebürtigen, aber nicht mit rheinischer
Leichtigkeit und Anpassungsfähigkeit
begabten Mannes um die Farbe und ihre Gesetze
noch keineswegs die von ihm gewünschten
Ergebnisse gebracht hat. Neben so geglückten
Gemälden wie dem „Gardasee", den man vor
einiger Zeit in einem kölnischen Kunstsalon
sah, stehen mehr oder weniger ausgesprochene
Mißgriffe. Jansen macht es sich selbst und anderen
sehr schwer, aber mir sind selbst seine
schwachen Rilder immer noch lieber als die
„guten" jener Hochbegabten, die, haben sie erst
einmal Erfolg, nicht mehr Kunstwerke, sondern
Markenartikel zu produzieren scheinen.
Franz M. Jansen, der in Köln geboren wurde,
nun aber schon lange in einem lieblichen Dörfchen
des Siegkreises, in Felderhoferbrücke,
wohnt, ist heute 4-4 Jahre alt. Ursprünglich
Architekt, hat er, wie viele andere, Otto Wagner
in Wien, dem Menschen und Lehrer, viel zu
danken. Nach manchem tastenden Versuche
erschien 1913 der erste Radierzyklus: Die
schwarzen Gondeln, Venedig (Verlag J. R. Neumann
, Berlin). Seitdem sind die Zyklen eine
regelmäßige Begleitung dieses Künstlerlebens,
das im Auf und Ab alles andere aufzeigt, als
was man sich unter dem Wirken eines Heimatkünstlers
vorstellt. Denn weil Jansen so einsam
lebt, der engeren Umgebung seines bergischen
Landes soviel verstehende Liebe schenkt, ist
er oft zu jener Spezies gerechnet worden, die
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