Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 59. Band.1929
Seite: 261
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ERNST FRITSCH. DER SPAZIERGÄNGER

Badenden kauern in der Sommersonne eines
Feiertags vor dem Meer, das von festlich bewimpelten
Segelbooten durcbglitten wird.
Ohne daß damit gesagt werden soll, daß es
dieser Malerei darauf ankommt, eine Illusion
der räumlichen Tiefe zu geben, so kann man
doch verfolgen, wie es der Künstler liebt, einen
Spannungsgegensatz zwischen dem Vorder-
und dem Hintergrund aufzustellen. Ein Zaun,
Baum, Mensch oder Gegenstand am vorderen
Bildrand. Eine nahe oder weite Ferne als Hintergrund
mit einer klaren Kontur, an die mit
Gleichmaß der Himmel grenzt. Dies Bemühen
läßt an die Quattrocentisten und die frühen
Niederländer denken.

Die Farbe von Fritsch zeichnet sich durch
Klarheit und Unvermischtheit aus. Blau scheint
die Lieblingsfarbe des Malers zu sein. Auf den
Porträts kehrt sie wieder als Kleidungsstück,

auf den Landschaften als wolkenloser Himmel
oder als unbewegtes Meer. Die Schatten besitzen
meist keine eigene Farbigkeit, sondern
tragen eine schwärzliche Tonbeimischung. Es
tritt hierdurch eine eigenartige Beleuchtung
der Landschaft auf, die zuweilen an das Licht
einer Sonnenfinsternis erinnert. Uberhaupt erweckt
der Verzicht auf die Wiedergabe der
Dynamik und der Brechungen und Verhüllungen
des Atmosphärischen eine seltsame oft fast
gespenstisch kahle Stimmung, die von der
naiven Heiterkeit des Grundtones absticht.
Die im Wesen jedoch unpathetische und sachliche
Betrachtungsweise der Welt könnte wohl
in der Lage sein, an Stelle der zertrümmerten
Formideale wieder neue zu erbauen. Ist diese
Malerei doch auch durchdrungen von einem
gesunden handwerklichen Zug. Hier entscheidet
nicht mehr die Idee, sondern das Auge, nicht

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