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KARL ROTTMANN. AMMERSEE
Neue Städtische Galerie, München
der Vorbereitung zusammengebracht wurde.
Da waren freilich schon manche willkommene
„Gegebenheiten". Im Stadtmuseum und (hinsichtlich
der Graphik) in der slädtischen Mail-
liuger-Sammlungund ibrenSuffixen,derGura-,
Neuner-, Zettler-Sammlung usw., schlummerte
manch schönes Werk, wie sich auch in den städtischen
Büros und Amtern, dann als Leihgaben
in den Museen und Galerien Münchens manch
hervorragendes Stück befand; man braucht hier
nur an das herrliche Bildnis der Frau Genlz
aus Wilhelm Leibis Hand aus dem Jahre 1 867
zu erinnern, das aus der Neuen Slaatsgalerie,
au die es ausgeliehen war, zurückgerufen
wurde. Hanfstängl hat jedoch aus dem Vorhandenen
doch nur eine kleine, vorsichtige
Auswahl getroffen und vor allem dem Stadtmuseum
wenig weggenommen: sein Standpunkt
war, daß es wichtiger sei, gute Werke
aufzufinden und aus dem Handel oder aus dem
wirtschaftlich nicht gefestigten Privatbesitz in
eine öffentliche Sammlung Münchens zu retten
als einfach von Museum zu Museum zu versetzen
und lediglich umzugruppieren.
Wie gut es ihm gelang, mit diesem Prinzip
voranzukommen, zeigen gerade die älteren
Abteilungen. Ein ganzes Kabinett mit Bildnissen
Edlingers läßt die Qualität bei keinem
Werk dieses sehr unterschiedlich malenden
Meisters vermissen. Die Bildniskunst der folgenden
Jahre ist durch Künstler wie Kelier-
hoven und Hauber sehr gut vertreten. Malerisch
fast noch stärker wirken die intimen Münchner
Landschafter um 1820, die man, ich weiß nicht
aus welchen Gründen, als „Vedulisten" in
Mißkredit brachte: Kobell, Wagenbauer, Dorner
, Dillis, Warnberger und wie sie alle heißen.
Einige feine Bilder der Biedermeierzeit, z. B.
von Adam und Lorenz Quaglio, geben vielleicht
Veranlassung, das etwas geringschätzige
kunsthistorische Urteil über die Münchner
Genremalerei dieser Zeit entsprechend nachzuprüfen
. Mit einer Serie von Werken Spitzwegs
, die wohl noch einige Ergänzungen in
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