Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 59. Band.1929
Seite: 282
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RODOLPHE BRESDIN. GEBIRGSFLUSS. RADIERUNG

ser, orientalische und heimische Landschaften,
tiefe gefahrdrohende Schluchten mit ziehenden
und kämpfenden Massen, Spelunken mit tristen
Gestalten gezeichnet, radiert und lithographiert.
In allem ist die gleiche erstaunliche Fülle der
„Gesichte", ist Spiel und blutig-ernste Arbeit
und tiefe Melancholie um das menschliche Sein,
ßresdins Art, aus vielen Dingen ein immer
spannendes Bild zu geben, das uns lange beschäftigen
kann durch die Fülle des Einzelnen
und das einheitlicheZusammenklingen zu einem
Tone von unvergeßlicher Klangfarbe mag an
Henri de Groux denken lassen. Aber der ist
dämonischer, schreckhafter und voll Fratzen.
Die Welt Bresdins ist bei aller Düsterkeit oft
von Mitleid und Güte. Auch Dore ist ihm
irgendwie verwandt in seinen kleinfigurigen
Illustrationen. Aber Dore's Gestalten lösen sich
mehr von einander ab als die Bresdins, der
alles in seinen spinnwebartigen Teppich verwebt
und nicht gern herausläßt. Manchmal

denkt man auch an Meryon oder auch an den
Zeichner Viktor Hugo, auch Cruikshank fällt
einem ein; aber dessen zarte Vielgestaltigkeit
will mehr Lachen als Staunen und Schweigen,
und Bresdin kennt nicht das reine Lachen,
kannte nicht die Freude.

Sind die wie mit dem Diamanten geritzten
Linien Bresdins technisches Kennzeichen seiner
Form, so darf man an Radierer wie Castiglione
erinnern, an mehr als einen Niederländer des
ly. Jahrhunderts oder auch an unsern freilich
geistig ganz anderen RadicrerphantastenStaeger.
Bresdins geistige Verfassung geht zurück auf
Bosch, verbindet sich also mit Ensor und Kubin.
die ja beide nichts sehen und geben ohne große
Geheimnisse zu berühren. — Aber vorläufig
haben wir keine Äußerungen Bresdins zu all
diesen Fragen nach Beziehungen, die die Betrachtung
seiner geheimnisvoll reichen Blätter
erweckt. Eine Radierung Rembrandts hat er
besessen. Ein Blatt zeigt ganz deutlich, daß er

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