Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 59. Band.1929
Seite: 310
(PDF, 106 MB)
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ÜBER GLASMALEREI. DER WERDEGANG EINES GLAS GEMÄLDES

Aus dem elften Jahrhundert stammen die
frühesten (deutschen) Glasmalereien, die wir
kennen. Der Dom zu Augsburg birgt sie. Ihre
grandiose, starke Meisterschaft läßt uns annehmen
, daß der Weg zu solcher Vollendung
ein weiter gewesen sein muß, der für uns im
Dunkel der Vergangenheit liegt.
Die älteste, wohl auch erste und wich tigste Schrift
über die Technik der Glasmalerei (und davon
soll hier die Rede sein) stammt von dem Benediktinermönch
Theophilus, dessen Lebenszeit
ungenau in das zehnte oder elfte Jahrhundert
fällt. Aus Theophilus' Schrift ergibt sich, daß
sich an der Technik des Glasmalens grundsätzlich
in nun fast tausend Jahren nichts geändert
hat. Hingegen ist die Herstellung des farbigen
Glases, die in der Frühzeit jeder Glasmalerwerkstatt
selbst oblag, heute ausschließlich Sache
der Glashütten. Diese Fabriken liefern in fast zu
vielen Tönen und Farben sogenanntes Antikglas
(als Hohlzylinder geblasen und im Ofen
gestreckt), das mit seinen Bläschen und Schlieren
den alten Scheiben gleichwertig zu nennen ist.
Die oft gehörte Behauptung, wir hätten die
Glut und Farbigkeit alter Gläser nicht mehr
erreicht, ist unrichtig. Der Fehler liegt dabei an
geschmackloser Verwendung des Materials. Die
Gefahr liegt vielleicht nahe, daß durch die vollendete
Technik der Herstellung die Struktur
der Gläser zu schön wird, daß die kleinen Unregelmäßigkeiten
fehlen, die dem gemalten
Fenster den reichen Zauber zu geben mithelfen.
Gefärbt wird die Glasmasse durch Zusatz von
Metalloxyden (wie Eisen, Antimon, Kupfer,
Kobalt usw.)

Zur Bemalung des Antikglases dient als einzige
Farbe das „Schwarzlot", eine pulverisierte Mischung
aus Metalloxyden und Glasfluß. In der
Glut des Brennofens bindet der Glasfluß die
Metallteilchen auf den bis zu achthundert Grad
erhitzten rotglühenden Scheiben.
Das Malen erfolgt so, daß zuerst die Kontur

aufgemalt wird (Werdegang Bild 5), dann ein
dünner Uberzug aufgetragen wird (Bild 6), der
die Gläser ganz bedeckt. Auf der Staffelei (die
in diesem Fall eineFensterglasscheibe ist) werden
die zusammengehörenden, einzelnen Stücke mit
Wachs festgeklebt und der Uberzug nach Bedarf
weggewischt, mit der Hand, dem Pinsel oder
der Radiernadel (Werdegang Bild 7). Dieses
Stadium der Arbeit ist für den Glasmaler das
schönste, stärkste und wohl auch geheimnisvollste
, wenn die bis dahin durch den Uberzug.
grau-schwarzen Scheiben aufgehellt werden
und durch das nun durchflutende Licht Glut,.
Tiefe, Farbe und Leben bekommen und das
berauschende Spiel der Farben offenbaren.
Die so bemalten und dann gebrannten Gläser
werden nach dem Abkühlen mit Bleiruten zusammengefügt
. Die Bleisprosse zeigt im Durchschnitt
die Form eines liegenden H, der kurze
Querbalken, die „Seele", trennt die einzelnen
Stücke voneinander. Zum festen Zusammenhalt
werden die Bleie an den Bunden verlötet,,
dann verkittet, so daß das fertige Fenster ein
festes Gefüge ist, das Sturm und Regen durch
Jahrhunderte zu trotzen vermag. Varianten der
Glasmalkunst, Kombinationen von Schliff oder
Ätzung usw. erwähne ich bewußt nicht, weil
ihre Behandlung zu fachlich und breit würde.
Komposition und Farbengebung eines Glasgemäldes
müssen von dem leuchtenden und
spröden Material des Glases und den verbindenden
Bleilinien ausgehen. Dadurch ist die
große, fast asketische Einfachheit der Linien-
und Formgebung bedingt. Die Ubersetzung,
irgendeines dekorativen Entwurfes in das Glas
ist grundfalsch. Dieser Fehler findet sich immer
da, wo das Vertrautsein mit dem Geiste der
Glasmalerei fehlt.

Den Wiedergaben auf diesen Seiten fehlt leider
die Farbe, die für das Glasgemälde entscheidend
ist und so viel bedeutet wie die tönende
Musik der stummen Note gegenüber. Sepp Frank.

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