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SEPP FRANK. JOSEPH UND MARIA. TEILSTÜCK AUS EINEM GLASGEMÄLDE
HILDEBRAND
Der Briefwechsel zwischen Adolf Hildebrand
und Konrad Fiedler, der durch die von Günther
Jachmann besorgte Ausgabe (Dresden bei
Wolfgang Jeß) jetzt bekannt geworden ist, enthält
auch Briefe, die über Hildebrands Verhältnis
zu Marees außerordentlich aufschlußreich
sind. Vor allem zeigt der Brief nach Hildebrands
einzigem Besuche in Marees' Atelier
nach dem Bruche, daß Hildebrand — so sehr
er sich zeitlebens Marees' Größe verpflichtet
fühlte — doch keinen Zugang mehr zu dessen
Kunst fand. Wir geben aus dem Briefwechsel
die folgenden Stellen wieder:
„. . AVas die anderen, ernsteren, von mir befürchteten
Folgen für Ihr Verhältnis zu Marees
UND MAREES
anbelangt, so wird es eben nur an Ihnen beiden
liegen, denselben vorzubeugen, und namentlich
an Ihnen, wie ich Ihnen hier schon sagte. Und
in dieser Beziehung wird es Ihnen gehen, wie
es mir ergangen ist; man kann manchmal zweifeln
, unwillig sein, dann aber fühlt man wieder
den ganzen vollen Wert dieser Persönlichkeit
und kann nichts anderes tun, als sich seines
Zweifels, seines aufsteigenden Unwillens zu
schämen. Marees ist der reinste Spiegel, in dem
man sich selbst betrachten kann, und wenn man
sich dann selbst nicht immer ganz so sieht, wie
man möchte, so ist das eben nicht seine Schuld.
Ich kenne in der Tat keinen anderen Menschen,
dem gegenüber man so wenig einer Selbsttäu-
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