Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 59. Band.1929
Seite: 316
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SEPP FRANK. JÜNGSTES GERICHT
Bamberg, St. Otto

und bleiben wird und daß er in seiner Weise
weiter machen muß, bis zum Ende, und wenn
er es dann dazu bringt, ein Bild ganz hinzustellen
, es zu dem Größten gehören wird, aber
es braucht Zeit, vielleicht mehr als ein Leben.
Zwei große Bilder sind langweilig, doctrinär,
absichtlich, nicht glücklich... Ich habe viel mit
ihm geschwatzt, das kannst Du Dir denken,
und die Bilder wirklich erlebt, denn die meisten
sind innere Ereignisse und gegen früher weit
konzentrierter, da liegt viel dazwischen.. ."

(Hildebrand an Fiedler, 5. Januar 85.)

(Kurz nach Marees'Tod) „... Wir können noch
immer nicht von dem Gedanken an Marees loskommen
. Es ist erschreckend, wie derMensch immer
in der Zukunft lebt, Pläne macht, verschiebt,
erwartet, den eigentlichen großen Moment des
Lebens immer vorbereitet und dann ist's mit
einemmal aus und kein Hahn kräht um alle die
Wünsche, Ansprüche und Hoffnungen. Und
auf der andern Seite liegt doch eine gewisse
Folgerichtigkeit in diesem Schicksal, denn wer
immer, wie Marees, am Abgrunde hineilt und
sich nur durch das beständige Aufgebot aller
seiner Kräfte oben erhält, bei dem ist's kein
Wunder, wenn er plötzlich hinabstürzt und
ein für allemal verschwindet.. ."

Hildebrand an Fiedler, 14. Juni 87.

„... Ich las letzthin die Biographie von Kleist
von Brahm und da ist mir wieder die frappante
Ähnlichkeit von Kleist mit Marees aufgefallen.
Die ganze Stoffzusammenstellung der beiden
Menschen ist so identisch. Auch die äußern
Umstände von Herkunf t etc. Das hochgesteckte
Ideal, die riesigen Ansprüche an sich selbst, das
Lehrhafte, das Bedürfnis nach Ausbildung seines
moralisch-künstlerischen Menschen im Sinne
einer Lebensaufgabe — die daraus entspringende
Unmöglichkeit eines harmlosen, natürlichen
Verkehrs mit ihm. Dann die wunderbare
, klare Einsicht, der natürliche, tiefe Instinkt
für Alles, was Kunst ist — der Trieb
nach dem ,Ganz oder garnicht' etc. Die furchtbaren
Kämpfe, dies ewige Steigen und Stürzen.
Der Sinn für die Realität in der Kunst und der
mangelnde Sinn für alles Reale in der Praxis.

CT

Dann wie das Ganze durchzogen ist von einer
warmen, sinnlichen Schönheit, von einem weichen
Sichhingeben bei aller Kraft. Nur ist der
eine Unterschied, daß Kleist zu seinem Ausdruck
gekommen ist und Marees nicht..."

(Hildebrand an Fiedler, 7. Juli 8g.)

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