http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_59_1929/0397
DAS GRABMAL DES D.JUAN DE PADILLA IN BURGOS
WIE EINE INTERNATIONALE KUNSTAUSSTELLUNG IN
ROM IM JAHRE 1500 AUSGESEHEN HÄTTE
Jeder Kunstfreund kennt das Tagebuch des Ve-
lasquez aus dem Jahre 1630, das Karl Justi in
einem römischen Archiv gefunden haben wollte
und in dem meisterlich und lebendig die Eindrücke
nachgedichtet werden, die der große
Meister vom Kunstleben in der Ewigen Stadt
empfangen hätte. Es wäre interessant, im gleichen
Archiv einen zeitgenössischen Bericht über
eineinternationale Kunstausstellung aufzuspüren,
die im Jahre 1500 in Rom hätte stattfinden können
. Schien doch der Moment zu einem solchen
Unternehmen günstig: Die politischen, wirtschaftlichen
und kulturellen Beziehungen zwischen
den europäischen Nationen waren dicht
und mannigfach; deutsche Kaufherren hatten
in Venedig ihren „Fondaco", in London saßen
reiche Mailänderin „Lombardstreet", die Niederländer
besiedelten ganze Straßen in den süddeutschen
Städten und in den Niederlanden
spielten die portugiesischen und italienischen
Kolonien eine große Rolle. Auf dem Gebiete
der bildenden Kunst erinnerte man sich noch
des beträchtlichen Einflusses, den Niederländer
und Deutsche auf die vorige Generation in Italien
ausgeübt hatten und wußte man, daß sich
nunmehr das Verhältnis verkehrt, der Norden den
Süden zum Lehrer gewählt habe, während etwa in
Spanien flämische und deutsche Künstlernach wie
vor gesucht waren. Das heilige Jahr mit dem gewaltigen
Fremdenzustrom aus aller Welt mochte
den Gedanken eines solchen zusammenfassenden
Überblicks über die Kunsttätigkeit der verschiedenen
Länder nahelegen, zumal der regierende
Papst Alexander VI., selbst ein Fremder von Geblüt
, von niemand in verständnisvoller Förderung
italienischer Kunst übertroffen wurde. Er
schien derMann, ein solches internationales Unternehmen
unter seinen Ehrenschutz zu nehmen.
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