Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 59. Band.1929
Seite: 323
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GENTILE BELLINI. DAS KREUZESWUNDER

schlechtweg für ein Genie, die
anderen hielten ihn für einen
geschickten Diplomaten, der
auf Grund seiner persönlichen
Liebenswürdigkeit und unwiderstehlichen
Beredsamkeit die
Bauherren zu kostspieligen Unternehmungen
zu verleiten
wisse. Für die Konservativen
war er das rote Tuch; kursierte
doch in Künstlerkreisen von
ihm der lästerliche Ausspruch,
man täte am besten, die alte
Peterskirche einfach wegzureißen
und an ihrer Stelle
einen neuen, des Papsttums
würdigen Dom zu bauen.
Nicht minder groß war die
Gegensätzlichkeit auf dem Gebiete
der bildenden Künste und
die gleichen Tatbestände müssen
sich Beurteilern, die auf verschiedenem Standpunkte
standen, sehr verschieden dargestellt
haben. Einem konservativenBetrachtermußtez.B.
bei Besichtigung der italienischen Plastik das
Zuendegehen einer großen Tradition am meisten
auffallen. Im Laufe eines Jahrzehnts waren eben
alle gestorben, auf denen der Buhm der toskani-
schen Bildnerei beruhte: Verrocchio 1488, Ber-
toldo 1491, Benedetto da Majano 1497, Antonio

T. RIEMENSCHNEIDER
JOHANNES

Pollajuolo 1498; nur in Oberitalien
hatte sich eine achtenswerte
Tradition erhalten; unbeirrt
durch die Schlagwörter
einer sogenannten Moderne
schöpfte hier ein Altmeister wie
Pietro Lombardo (Abb. S. 322)
aus dem Born der Naturnachahmung
und der antiken Zierkunst
, schuf ein Bellano —
etwa in dem Epitaph des vor
zwei Jahren gestorbenen Roc-
cabonella (Abb. S. 325) — reizende
Genreszenen, verfolgte
selbst Andrea Riccio eine eng
naturalistische Tendenz. Diesen
Bemühungen gegenüber
mußte Andrea Sansovinos eben
fertig gewordener Heiland am
Baptisterium in Florenz (Abb.
S. 322) mit der vom Detail absehenden
Idealität seiner Formengebung leer und
affektiert erscheinen. Ein fortschrittlich Gesinnter
von 1500 hätte allerdings gerade in dieser Figur
das aktuellste und zeitgemäßeste Werk der Ausstellung
erblickt und sich scharf gegen eine Auffassung
gewendet, die in den Ablegern florenti-
nischer und umbrischer Kunst —■ wie z. B. der des
Lieblingsmalers des Papstes, Pinturicchio — noch
immer einer Stadt wie Roms würdige Leistungen

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