http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_59_1929/0412
KARL BLOCHERER. PORTRAT FRAULEIN ERIKA GR.
Glaspalast München
mehr als dreißig Jahren Julius Meier-Graefe
schrieb und der „mutatis mutandis" auch für
heute und für das Nebeneinander alter und
zeitgenössischer Porträtkunst im diesjährigen
Glaspalast gilt. „Wer gab", fragte er, „den
reichen Leuten in Florenz, in Flandern und
den Niederlanden, in Frankreich und Deutschland
den Instinkt, sich von den besten Malern
ihrer Zeit malen zu lassen, während sich heute
die Mächtigen und Reichen so oft des Pinsels
gerade derbanalsten bedienen?" Und hat auch
die naheliegende und schlagend zutreffende
Antwort zur Hand: „Man kannte damals offenbar
besser als heute, was gute Malerei war . . .
Die ganze Masse war höher. Sie interessierte
sich nicht mehr für Malerei als heute, sie halte
ebenso wie heute andere Dinge zu tun, aber sie
war an Kunst gewöhnt."
Was der Glaspalast an Porträtkunst zu zeigen
hat, ist natürlich nur eine Auslese aus der alljährlichen
Porträtproduktion; trotzdem ist es
an Art und Gewicht nicht übermäßig bedeutend.
Samberger, der diesmal mit Bildnissen aus
seinem Familienkreis das repräsentative Porträt,
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