http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_59_1929/0413
HEINRICH SCHRÖDER. SIDI-BOU-SAID
Glaspalast München
das sonst sein Fall ist, verläßt, dabei aber an
Intimität und schlichler Wahrhaftigkeit gewinnt
, insoferne er von „Poinlierungen" völlig
absieht, macht freilich einen ungemein starken
Eindruck; auch sonst ist auf beiden Seilen des
Glaspalastes viel Bemerkenswertes: Gerhardingers
durchgefeiltes, sehr ins Detail getriebene
Bildnis des Malers Miller-Diflo, H. Maier-
Erdings Bildnisse, das Selbstporträt Rögges,
Groebers großes Gruppenbildnis eines „Konzerns
", Jaeckel, Rall, RololF, Fehr, Kunz,
Hommel, Schwalbach, E. R. Zimmermann,
Funk, Bios, Blocherer, Slaeger, Burk, Fischer-
Nienburg, Fritz Wagner, Wallher Thor f, es
ist eine stattliche Reihe von guten Arbeiten,
die sie bringen; aber der „Falke", der wie
bei der guten Novelle auch bei dem guten
Bildnis stets zu finden sein sollte, steigt nicht
auf! Einige gute Bildnisleistungen hat die
Ehren-Ausstellung für Franz von Stuck aufzuweisen
, z.B. das sehr repräsentative, den Duft
und das individuelle Parfüm der Weltdame
atmende Porträt der Gattin des Künstlers und,
malerisch wohl noch stärker, das kleine Herren-
bildnis Freiherr von Liphart-RatsliofF, das ganz
konzentrierte Seelenhaftigkeit ist.
Indessen liegt die Bedeutung der von der
Secession in vornehmer Gestaltung herausgebrachten
, sehr fein und klug ausgewählten
Gedächtnis-Ausstellung für Franz von Stuck
natürlich nicht auf den Bildnissen, überhaupt
kaum auf einem Einzelwerk, obwohl zahlreiche
der Hauptbilder des Meisters, begonnen vom
„Hüter des Paradieses" über „Krieg", „Sünde",
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