http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_59_1929/0423
WILHELM SCHMID.
STILLEBEN MIT KRÜGEN UND KORB
Akademie Berlin
FRUHJAHRSAUSSTELLUNG DER AKADEMIE IN BERLIN
Den drei großen Ausstellungen, die Berlin
während der diesjährigen Festwochen zeigte,
schloß sich als letzte die alljährliche Frübjahrs-
ausstellung der Akademie der Künste an. Bedenkt
man, daß man in diesen Wochen einige
tausend Bilder passieren mußte, und trotzdem
noch von der Akademie-Ausstellung einen
guten, lebendigen Eindruck empfing, so ist
damit wohl eine besondere Anerkennung für
dieses Unternehmen ausgesprochen.
Die Zeiten, wo man gegen die staatlichen Akademien
im Namen der jungen Kunst Krieg
führen mußte, wo man vergreiste, alte Herren
anzugreifen sich gezwungen sah, weil sie dem
jungen Nachwuchs durch starrköpfiges Festhalten
an der Vergangenheit den Weg versperrten
, sind vorläufig vorüber. Wer dies vergißt
und heute noch eine Kritik dieser Art an
der Berliner Akademie übt, verkennt, daß sich
die Epoche gewandelt hat, und daß es weit
nötiger ist, einer Akademie zuzurufen: Legt
die strengsten Maßstäbe an und fürchtet euch
weniger vor dem Vorwurf der Engherzigkeit,
als vielmehr davor, daß man euch nachsagt, ihr
hättet nicht den Mut und das Verantwortungsgefühl
aufgebracht, eurer Ausstellung ein Gesicht
zu verleihen. Wenn man, wie der Unterzeichnete
, die Bedeutung der abstrakten Malerei
nicht verkennt, so braucht man es doch nicht
zu bedauern, daß die Abstrakten vorläufig
keinen Zutritt zu den Akademie-Ausstellungen
gefunden haben. Die abstrakte Malerei, wie
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