http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_59_1929/0450
AUGUST BOCHE R. MARZ AN DER ALTMÜHL
Ausstellung „100 Jahre Berliner Kunst", Berlin
geht ab" mit flottem, skizzenhaftem Vortrag und
durchdrungen von einem behaglichen Humor,
daß man es zu den Kabinettstücken dieser Malerei
rechnen muß.
Aber es gibt eine solche Fülle von Künstlern,
die noch weniger bekannt sind und man sollte
die Sammler alter Kunst auf sie hinweisen, denn
es ist sicher, daß die berlinische Kunst der ersten
Hälfte des 1 g. Jahrhunderts bald eine weit höhere
Wertung erfahren wird als heute. Da findet man
unbekannte Arbeiten von Albert Hertel und
A. B. Amberg, zwei frühen, eigenartigen Impressionisten
. Hoguet erweist sich wiederum als eine
Persönlichkeit, die sich durchaus neben Courbet
behaupten kann. Erwähnt sei auch K. W. Biermann
mit einer kleinen Gebirgslandschaft, der
Hamburger Max Michael und sein Schüler Paul
Souchay, ein brillantes, großes Damenbildnis
von C. J. Arnold, die Maler Dammeier und
Randel, schließlich Karl Bennewitz von Loefen,
der von den französischen Landschaftern fruchtbar
angeregt wurde.
Die Gründer]ahre haben in Berlin zweifellos
ihre unglückliche Wirkung stärker gezeigt als
anderswo. Wenn die Gegenwart auch in keiner
Weise auf der Höhe der ersten Hälfte des ig. Jahrhunderts
steht, so treten die Lebenden doch in
Gegensatz zu derZeitnach 1870 vorteilhaft hervor.
Zwar fehlt die Front der Jungen. Aber überall
trifft man auf ein gutes handwerkliches Können.
Erwähnt sei Karl Langhammer mit seinem
feinen, großen Landschaftsgefühl, der vor kurzem
gestorbene Julius Jakob, ein Seestück von Karl
Hagemeister, ein Bild „März an der Altmühl"
von August Böcher, der die fröstelnde frühlings-
hafte Atmosphäre der Schneeschmelze eingefangen
hat, die mit außerordentlicher Sorgfalt und zartem
Empfinden ausgeführten Blumenstilleben von
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