http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_59_1929/0468
OTTO HERBIG. BLUMEN VOR EINEM BILD
Ausstellung Köln
gewissen Extravaganz durchaus malerische
Qualität verrät. Das Negermädchen, das H. M.
Davringhausen, Köln, ausstellt, ist in seiner animalischen
Dumpfheit stark empfunden und
auch in der malerischen Durchführung weicher
und gelockerter als frühere Arbeiten dieses
Künstlers. Ein Kölner ist auch der Träger des
Villa-Romana-Preises, der in diesem Jahre zum
ersten Mal in der Vorkriegsform wieder verliehen
wurde; er besteht in einem einjährigen
freien Aufenthalt in der Villa Romana in Florenz
und einem Geldgeschenk. Karl Faßbender,
ein Schüler der Kölner Werkschulen (Klasse
Seewald), zeigt zwei Landschaften, die keineswegs
außerordentlich sind, aber doch in ihrer
malerischen Lebendigkeit so ansprechend, daß
man von dem jungen Künstler wohl noch manches
erwarten darf.
Was nun die ausgestellten Skulpturen betrifft,
so ist die große Zahl der Bildnisbüsten hier bemerkenswert
und gewiß symptomatisch. Die
lange vernachlässigte Kunst des Porträts in der
Pias tik s cheint sich mit der neu erwachten Freude
an der Gegenständlichkeit zu beleben. Besonders
zu erwähnen wären da die Arbeiten von
Karl Albiker, der u. a. ein Bildnis von Karl Hofer
und ein Frauenbildnis mit Turban zeigt,
letzteres in Zinkguß, einem Material, dem seltsam
weiche Wirkungen abgewonnen werden.
Ferner sind zu beachten das Bildnis Eberl von
Rudolf Belling, das Bildnis Gerling von Arno
Breker, das Bildnis Liebermann von Georg
Kolbe, besonders lebendig bewegt in der Oberfläche
, dann ein Selbstbildnis mit Kind (tlolz)
von dem Rheinländer H. Minkenberg und —
eine sehr bemerkenswerte Leistung— das Bildnis
Alfred Neumann von Josef Henselmann,
ebenfalls in Holz und sehr stark im Ausdruck.
Unter den figürlichen Arbeiten sind neben einer
interessanten Holzstatuetle von Fiori, einer
Hockenden von Edwin ScharfF und der „Aufsteigenden
Nacht" von Albiker die wesentlich-
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