Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 59. Band.1929
Seite: 383
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_59_1929/0469
sten Arbeiten Werke von Frauen. Von Renee
Sintenis sieht man ein großes, weidendes Fohlen
und mehrere Kleinplastiken, die von der überragenden
Begabung dieser Frau Zeugnis geben;
Emy Roeder zeigt zwei Gruppen, unter denen
besonders die „Geschwister" in ihren zarten,
aufeinander abgestimmten Formen sehr gelungen
sind; Milly Steger ist durch eine Steinfigur

„Rückbl ickende" von starker Herbhei t vertreten.
Man kann dem Deutschen Künstlerbund nur
wünschen, daß er am Ende seines zweiten Vierteljahrhunderts
ebenso jung und zeitnah dastehen
möge wie heute; dann werden seine jährlichen
Ausstellungen sich zu einer Einrichtung
auswachsen, die aus dem deutschen Kunstleben
gar nicht mehr wegzudenken ist.

Dr. Luise Straus-Ernst

HUNDERT JAHRE KUNSTVEREIN FÜR DIE RHEINLANDE

UND WESTFALEN

In den zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen
Jahrhunderts entstanden die Kunstvereine
in einer Anzahl deutscher Städte nahezu
gleichzeitig. Waren bis dahin in Deutschland
Kunst und Kunstbesitz nur Angelegenheit
bevorzugter und begüterter Kreise gewesen
, so stellten sich jetzt die Kunstvereine
das demokratische Ziel, durch Veranstaltung
von Kunstausstellungen und Verbreitung von
Gemäldewiedergaben in Stich und Schnitt Kunst
dem breiten Bürgertum zuzuführen, vor allem
aber durch Verlosungen Originalkunstwerke in
das kleinere Bürgerhaus zu tragen. Es ist gar
nicht hoch genug einzuschätzen, was dadurch
in damals materiell schwerer Zeit nach den
Befreiungskriegen die Kunstvereine für Kunst
und Künstler geleistet haben. Der „Kunstver-
ein für die Rheinlande und Westfalen" ging
aber über diese Zeit weit hinaus. Seine Gründer
wußten es durchzusetzen, daß statutengemäß
ein bestimmter Teil der Vereinseinnahmen für
monumentale Kunstaufgaben verwandt wurde.
Damit erhielt die rheinische Wandmalerei des
19. Jahrhunderts erst ihre materielle Voraussetzung
. Es würde den Rahmen dieses Berichtes
sprengen, wollte man alle öffentlichen Bauten
und Kirchen in Rheinland und Westfalen und
darüber hinaus aufzählen, die ihren Wandschmuck
, gemalt oder mosaiziert, oder ihren
Fensterschmuck dem Kunst verein zu verdanken
haben. Nur ein Ort soll besonders hervorgehoben
werden, der große mittelalterliche Rathaussaal
zu Aachen mit Alfred Rethels Fresken.
Viele unserer rheinisch-westfälischen Museen
erhielten wertvolle Zuwendungen. Das Arbeitsgebiet
blieb aber keineswegs auf Malerei beschränkt
. Gemeinden und Kirchen wurden plastische
Kunstwerke zugeführt. Auch den baulichen
Wiederhersteliungsarbeiten an den Domen
zu Speyer und Worms lieh der Kunstverein
die gebefreudige Hand.
Die früheren Vereinsgaben, die sog. Nietenblätter
, d. h. Stich- und Schnittwiedergaben
nach Gemälden, hat später die neue Reproduktionstechnik
verdrängt. Nach freier Wahl standen
nun in großer Auswahl den Mitgliedern
als Vereinsgaben Originalgraphik, Kleinplastik
oder literarische Werke aus dem Verlag des
Kunstvereins zur Verfügung. 1902 erschien
das reich ausgestattete Buch „Zur Geschichte
der Düsseldorfer Kunst, insbesondere im
ig. Jahrhundert" von Friedrich Schaarschmidt,
1911 ein „Illustriertes Jahrbuch", 1915 und
1917 die beiden ersten Bände der „Baukunst
am Niederrhein" von Richard Klapheck, 1926
„Rheinische Malerei der Biedermeierzeit" von
Karl Koetschau, Walter Cohen und Bernhard
Lasch, seit 1927 der „Düsseldorfer Alma-
nach", 1928 „Karl Koetschau von seinen
Freunden und Verehrern zum 60. Geburtstage"
von Walter Cohen, K. K. Eberlein und Gustav
Lomnitz herausgegeben, und „Düsseldorfer
Graphik in alter und neuer Zeit" von Paul
Horn, zum Jubiläumsjahr „Die Geschichte des
Kunst Vereins für die Rhein lande und Westfalen"
von K. K. Eberlein.

Neben den wechselnden Ausstellungen neuerer
Kunst dürfen nicht unerwähnt bleiben die von
Walter Cohen und Gustav Lomnitz seit Jahren
veranstalteten Ausstellungen alter Kunst. Auch
im Mittelpunkt der Jubiläumsfeiern steht eine
„Ausstellung alter Malerei aus Privatbesitz",
die eine Fülle unbekannten und bedeutsamen
Kunstbesitzes aus vier Jahrhunderten der Öffentlichkeit
vorführt.

A. K.-S.

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