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pen im Umkreis und stellt vordem kaum geahnte
Beziehungen zwischen den heterogensten
Erscheinungen her. Objekte und Menschen
treten aus stumpfer Neutralität hervor
, bedeuten plötzlich etwas ganz anderes
als im konfusen Lichte herkömmlicher Beurteilung
.
Dies alles mußte vorweg genommen werden
und bildet in gewissem Sinne ebenso die geistige
Grundlage zu Lascaux' Malerei wie die
Voraussetzung zum Verständnis ihrer spezifischen
Eigenart.
Lascaux ist gleich jenem „Siegfried" Giraudoux'
ein Sohn der Stadt Limoges, die einen grimmig
dreinschauenden Heiligen und drei Lilien im
Wappen hat. Es scheint mir keineswegs ein
Zufall, daß er, ebenso wie sein großer Landsmann
Renoir, mit der Porzellanmalerei begann,
um von der angewandten zur freien Kunstübung
zu gelangen. So wurde von Anbeginn
der Sinn für das Zusammenspiel der Farben in
ihm geweckt. Der junge Handwerker wurde
sich der Tiefenwirkungen kalt leuchtender
Blaus auf weißem Porzellangrund bewußt und
lernte am Arbeitstisch die herbe Schönheit
scharfer Konstraste lieben. Lascaux gehörte
nicht zu den Leuten, die sich mit ihrem Brotberufe
zufrieden geben. StrindbergscheUnruhe,
deren Quelle schöpferische Neugier ist, lockte
ihn zu stets neuen Beschäftigungen. Er wurde
der Reihe nach Sänger,Schauspieler und Zeichnerin
einem Architektenbureau. Da überraschte
den Fünfundzwanzigjährigen der Krieg und
schaltete eine ungewollte, aber zweifellos entscheidende
Pause ein. Lascaux wurde kriegsgefangen
. Sein Geschick verschlug den Soldaten
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