Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 60. Band.1929
Seite: 96
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suchenden Kurven erreicht werde? Pyramide
und Pantheon seien zwei Extreme der antiken (!)
zentralisierenden Baukunst, während der griechische
Tempel die Mitte bildete. — Pyramide
ist überhaupt nicht und Pantheon jedenfalls
nicht typisch reine Antike, wenn es auch sicherlich
zu weit geht, es mit Spengler vollkommen
dem arabischen Kulturkreis zuzueignen.
Der Zentral kuppel-
bau an sich ist nicht
immer symptomatisch
für das „magische
Höhlengefühl"
(Spengler); es kommt
vielmehr auf die
Stimmung an oder
— musikalisch ausgedrückt
— darauf
wie der Kuppelraum
„geladen" ist. Das
Pantheon ist von

einem anderen
Raumgeist erfüllt
wie z. B. eine armenische
Zentralkirche.
Und wenn Spengler
das Pantheon die

„erste Moschee"
nennt,so wendetLud-
wig Curtius mit
Recht dagegen ein,
daß eher umgekehrt
die letzten Moscheen
(also Sergius und Bacchus
, Hagia Sophia,
Selimsmoschee in
Adrianopel) zum
„Pantheon" werden,
d. h. der Islam konnte
ein „Pantheon" erst
bauen, nachdem der
hellenistische (beschränkte
) Kuppelraumbau
von den Sas-
saniden, Spätbyzantinern
, A rabisch-
Persern differenziert
worden war. Trotzdem
ist Spenglers

R. BRÜNING. SCHRANKCHEN UND SPIEGEL
aus nebenstehendem Raum

Charakteristik des Pantheons wertvoll, weil er
es einmal ganz unwissenschaftlich rein intuitiv
als Kulturphänomen betrachtet hat.
Das Pantheon ist in seiner orien talischen Struktur
und seinem hellenistischen Kleid ein sprechendes
Beispiel für die Uberlagerung, Uberschichtung
des spätantiken und früharabischen
Kulturkreises. Ahnlich hat es auch lange vor

Spengler aus reinem
künstlerischen Empfinden
Karl Ernst
Osthaus gekennzeichnet
. Er stempelt
das Pantheon zu
einemUbergangsbau,
zu einer Schöpfung
zwischen den Stilen.
„Es wäre kaum ein
Werk zu ersinnen,
das so viel noch von
der Erscheinung des
Pantheon rettete und
andererseits so dicht
vor der Sophienkirche
stünde." — So
kann uns die vielumstritten
c Auffassung
des Pantheons, von
der natürlich hiernur
ein paar typische
Vertreter angedeutet
wurden, ein lehrreich
malmendes Beispiel
geben, wie das Urteil

wissenschaftlicher
Akribie und morphologischer
Intuition
vom klaren
Blick des gebildeten
Künstlers, der die
Werke wirklich gesehen
und verglichen
hat, modifiziert und
korrigiert werden
muß. Erst die Synthese
kann dieLösung
dieser strittigenFrage
geben.

Herman Soergel, München

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