Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 60. Band.1929
Seite: 110
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H.H. LÜTTGEN. LANDHAUS F, BARMEN. AUS DEM SPEISEZIMMER

Die Innenräume, die Lüttgen gestaltet, sind
immer von jener beruhigenden Selbstverständlichkeit
, die an die Mitwirkung eines Architekten
kaum denken läßt. Das ist gewiß das Beste,
was man von einem Innenraum sagen kann,
der doch nur mittelbar „Kunstwerk", in erster
Linie aber wohnlich und brauchbar sein möchte.
Besonders in dem abgebildeten Wohnraum
fällt das Variable und doch Bequeme der Möbel
auf. Alle Stühle sind verschieden, haben verschiedenes
Holz, verschiedene Bespannung und
sind doch durch die Vermittlung des graublauen
Bodenbelags und des roten Eckteppichs aufeinander
abgestimmt. Wer einmal eine jener
Wohnungen kennen lernte,in denen kein Sessel
verschoben, keine Vase entfernt werden durfte
ohne empfindliche Störung des Stils, der wird
die unpathetische Auffassung der Innenarchitektur
, wie sie Lüttgen eigen ist, zu schätzen
wissen. Hier ergibt sich alles wie zufällig;
und das eben ist das Geheimnis vergangener
Wohnkultur, dem unsere Zeit erst wieder ganz
allmählich auf die Spur kommt.

Lüttgen ist ein vielseitiger Künstler und erschöpft
sich keineswegs in der Außen- und
Innengestaltung von W ohnhäusern. Eine Reihe
großer Industriebauten ging aus seinem Atelier
hervor. Städtebauliche Aufgaben beschäftigen
ihn stark; bei verschiedenen Y\ ettbewerben
fand er Gelegenheit, mit eigenen, oft sehr originellen
Lösungen hervorzutreten. Doch daneben
verschmäht er auch hin und wieder nicht
die Anfertigung von Entwürfen für das Kunstgewerbe
. Besonders seine Stoff- und Tapetenmuster
erfreuen sich großer Beliebtheit wegen
ihrer phantasievollen, aber dennoch klaren
Durchführung.

Lüttgens künstlerisches V\ esen wird gekennzeichnet
durch ein warmes, lebensvolles Temperament
, das von einer kühlen Selbstkritik
gezügclt ist. Kraft und Folgerichtigkeit des
Wollens spricht aus allen seinen Arbeiten und
Entwürfen; und wir dürfen den Wegen seines
Schaffens auch fernerhin vertrauensvoll folgen,
weil er schon jetzt oft genug bewiesen hat,
daß er wirklich etwas kann. Luise Straus-Ernst

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