Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 60. Band.1929
Seite: 124
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G. TH. BÜNDE. TOCHTERZIMMER. AUSF.: THEOPHIL MÜLLER, DR ESDEN

KUNST UND TECHNIK

Man hat gesagt, die Kunst benütze heute die
Technik, um mittels ihrer wieder den Gesamtkomplex
lebendiger Formwerdung zu erfassen
, um ihre Macht wieder auf die Gesamtheit
der Lebensbezüge auszubreiten. Stimmt das?
Ja, was heißt es eigentlich? Steckt dahinter nicht
doch nur die arme Ausrede von den zu sauren
Trauben? Ist es nicht auch nur ein wenn auch
verbrämtes Eingeständnis, daß die Kunst heute
eben nicht mehr mächtig ist, die Gesamtheit
des Lebens zu bezwingen und zu durchdringen?
Wird durch solche Redensarten nicht eine bedenkliche
Vermanschung der getrennten Sphären
eingeleitet, wird die eigentümliche Kraft der
Kunst dadurch nicht vollends gebrochen, umgebogen
in ein Kompromißgeschäft, das — um
nicht ganz zu sterben — in fremde Gebiete sich
einschleicht.

Ja, wollte man sagen: der gestalterische Trieb
drückt sich heute in der Technik machtvoll aus,
er benutzt die Technik zu seiner Verwirklichung.
Das könnte gelten. Ja, das stimmt und ist bezeichnend
für die heutige Lage. Die Verwechslung
von gestalterischem Trieb und Kunst ist
die Lüge, die sich einschleicht, ist die Selbstlüge,
die falsche „Kunstpropheten" zur Rettung der
Kunst sich vormachen. Mit dem Eingehen in
Zweckbereiche — und alle Technik ist eben
Zweckbereich! —gibt der gestalterische Trieb
seinen Anspruch auf Kunst, auf zweckfreie Gestaltung
auf. Das muß klar gesehen und offen
zugegeben werden. Kunst und Technik sind in
diesem Betracht einander ausschließende Gegensätze
. Der beiden gemeinsame Anteil des gestalterischen
Triebes an ihrer Formbildung schlägt
zwar Brücken, — Momente, in denen in der
Technik z. B. das überzweckliche Formen und
Gestalten, wie es in jedem „schönen" Werk der
Technik zu finden ist, überwiegt. Aber die Kluft
zwischen beiden Welten bleibt bestehen. Und
auch die Tatsache, daß die eine der beiden, die
technische, heute bestimmender für unsere gesamte
Lebensformung ist als die andere, die
Kunst. Das mag manchen betrüben. Aber zu
einer unsauberen Überkleisterung des Risses darf
es nicht verleiten. Und sicher nicht zu jener

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