http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_60_1929/0177
ARCH. ALFRED GELLHORN, BERLIN. LANDHAUS E., Z EHL END ORF, GARTENSEITE
EIN MODERNES LANDHAUS VON ALFRED GELLHORN
Der funktionalistischen Bauweise wird vielfach
noch vorgeworfen, sie sei phantasielos, nüchtern
und vor allem nicht behaglich. In gewissem Umfang
trilfl das zu. Man hat Eile, möglichst viel
Wohnungen möglichst wohlfeil zu hauen. Das
Problem lautet: Beschränkung in allem Überflüssigen
, damit überhaupt relativ billige Uäuser
für die große Masse errichtet werden können
. So hat die neue Baukunst, wenigstens in
Deutschland, kaum je Gelegenheit, sich an aufwendigeren
Privathäusern zu erweisen, denn
wohlhabende Leute scheuen vor dem konsequent
Neuen zurück. Dadurch ist bei uns der
Eindruck entstanden, daß der Funktionalismus
eine Bauweise für Fabriken, Kontor- und Warenhäuser
sei. Die Beispiele von Frankfurt a. M.,
Stuttgart, Dessau und Celle, Reihenhaussiedlungen
kleineren und größeren Stils, liegen abseits
, sie gehören auch zu der eben charakterisierten
Art des Kleinwohnungfsbaues.
Darum bilden wir das Landhaus E. in Zehlendorf
bei Berlin ab, als ein noch ziemlich vereinzeltes
Beispiel für die reicheren Möglichkeilen
des Funktionalismus. Dr. Alfred Gellhorn
, der Architekt, hat hier für die Bedürfnisse
einer wohlhabenden Familie ein Heim geschaffen
, in dem Wohnlichkeit und Eleganz der
neuen Formen sich zur Synthese vereinen..
Das bi.sher vorherrschende Prinzip der Mehrgeschossigkeit
ist aufgegeben; alle Räume sind
ebenerdig gelagert. So entsteht im Äußeren der
Eindruck einer ruhevollen l Jorizonlalilät, durch
wenige Vorsprünge funktionell gegliedert, mit
dem Abschluß des Hachen Daches. DieSlreifen-
anordnung in der Bekleidung mit gelber Mutzkeramik
unterstützt den horizontalen Eindruck.
Der Schlafzimmer- und Wirtschaftstrakt ist
durch gleichmäßigen weißen Hartputz dagegen
abgesetzt. Das Ganze fügt sich in vorbildlicher
Weise dem Landschaftscharakter des märkischen
Villenorts ein.
Im Innern scheidet die nicht umfangreiche,
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