http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_60_1929/0200
BRUNO PAUL. AUS EINEM SPEISEZIMMER
Vereinigte Zoo-Werkstätten, Berlin
Charakter tragen und die Wahrscheinlichkeit
zulassen, daß der Besitzer nicht nach einem
knappen Jahrzehnt sich bereits diesen Stilerzeugnissen
entfremdet. Denn eine gute Wohnungseinrichtung
muß bei kleinen Abänderungen
für ein Menschenalter Gültigkeit haben,
zu mindest für die Besitzer, wenn auch nicht
für die Kinder. Der Vorgang, wie wir ihn
immer wieder erleben, daß Menschen, die die
Mittel haben, sich von Zeit zu Zeit stets wieder
von Grund aus neu einrichten, führt zu einer
Vernichtung jeder inneren Kultur, und schon
ist es so weit gekommen, daß wir die Wohnungen
, die in der scheußlichen Renaissance der
achtziger, neunziger Jahre eingerichtet sind,
mit einer gewissen Sympathie betreten, denn
ihre Erhaltung beweist, daß die Besitzer Liebe
und Anhänglichkeit zu ihrem Haus aufbringen,
und ihre innere Kultur braucht nicht geringer
zu sein, als die derjenigen, die glauben, daß -
wenn Chippendale der letzte Schrei ist —
man eben Chippendale kaufen müsse. Tradition
und damit Kultur können natürlich nur gute
Möbel auf die Dauer schaffen.
Betrachtet man manche neuen Möbelerzeugnisse
, wie z.B. die derZoo-Werkstältenin Berlin,
so kann man mit einer gewissen Hoffnung in
die Zukunft sehen.
Die Zoo-Werkstätten haben einmal den Versuch
gemacht, eine Reihe Zimmer, die Bruno
Paul entworfen hat, serienweise herstellen zu
lassen. Es ist ihnen dabei gelungen, mehrere
sehr hübsche Modelle in vorzüglicher Qualitätsarbeit
auszuführen und zu Preisen zwischen
1200 und 3000 M. auf den Markt zu bringen.
Nun sind das natürlich noch ganz respektable
158
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_60_1929/0200