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KARL RERTSCH UND AUGUST DIETTERLE. HAUS C. IN GÖRLITZ. TREPPENHALLE
Deutsche Werkstätten A.-G.
Paquier an diesen Uberläufern nicht. Es ist
bezeichnend, daß man die Arbeiter der Porzellanmanufakturen
, die in Untreue gegen ihre Pflicht,
das Geheimnis der Fabrik zu wahren, es anderen
Unternehmern mitteilten, fahnenflüchtigen Soldaten
gleichsetzte. Stölzel wird auch bereits
ausdrücklich als „Arkanist" bezeichnet, d. h.
als ein Mann, der im Besitze des Arkanums
d. h. des Geheimnisses der Zusammensetzung
der Masse war. Auch die Zubereitung der zur
Bemalung dienenden Farben gehörte zu den
Fabrikgeheimuissen, da nicht jede Farbe den
hohen Temperaturen des Brennofens standzuhalten
vermochte. Es war darum doppelt
schmerzlich für das junge Wiener Unternehmen
, daß Stölzel, als er, ohne du Paquier das
Arkanum vollständig mitgeteilt zu haben, reumütig
nach Meißen zurückkehrte, auch den
sehr tüchtigen Porzellanmaler Höroldt mitnahm
, der später in der Geschichte der Meißner
Manufaktur eine große Rolle spielte. Vorher
aber halte der treulose Arkanist den Wienern
noch den größten Teil ihrer Modelle zerstört,
wodurch diesen ein gewaltiger Schaden entstand.
17 20 entfloh auch Hunger, der da im ein Spezialist
im Gründen neuer Porzellanfabriken wurde.
Er wandte sich zuerst nach Venedig und von
dort nach den nordischen Staaten.
Die Begründung der Höchster Porzellanmanufaktur
beginnt ebenfalls mit einem Kapitel
aus der Geschichte jener Abenteurer, die von
sich behaupteten, im Besitze des Arkanums zu
sein. Dort gelang es dem Porzellanmaler Adam
Friedrich von Eöwenfiuck, zwei Frankfurter
Kaufleute zu überreden, neben der Fayencemanufaktur
eine Porzellanfabrik ins Leben zu
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