http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_60_1929/0276
werden gar wie auf dem Porzellanteller von
1921 zwei rote Schornsteine in Kerzen umstilisiert
.
Tschechonin ist ein Künstler der angewandten
Graphik. Er entwirft den Dekor für die Porzellane
der Staatlichen Manufaktur und erreicht
ganz eigenartige Wirkungen mit seinen zarten
Tönen von Rot, Blau und Gold. Er bemalt
Fayencen, Emaille, Gläser. Er zeichnet Briefmarken
und Banknoten von einer künstlerischen
Qualität, die uns Deutsche beim Vergleich mit
den unseren beschämen muß. Er schalft Plakate,
Alphabete, Kalenderblätter und vor allem Buchgraphik
. MansiehtMusenalmanache, Titelblätter
zu Werken der Kunstgeschichte, russischer
und europäischer Autoren. Bemerkenswert ist
die Sicherheit des Striches, die vorzügliche
Raumverteiluug, die Wahl der Schrift, die
völlig in der Einheit des Blattes aufgeht und
doch ein klares Gesicht besitzt.
Die Stile wechseln. Es bleibt ein gewisser
Charakter, der für Rußland wohl ebenso typisch
ist wie für Tschechonin. Es ist ein Klassizismus,
dessen Strenge durch einen leichten barocken
Einschlag gemildert wird. Seine Elemente sind
zweifellos importiert. So jenes Raffinement der
Linien, das zuweilen an Beardsley erinnert. Die
Mischung des Ganzen hingegen ist das Eigentümliche
des Künstlers. So wie sich die vegetabilischen
Formen der Blumen und Ranken
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