Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 60. Band.1929
Seite: 273
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WERKBUND-VERSUCHSSIEDLUNG IN BRESLAU

Der neue Stil des sachlich-strengen Wohnhauses
marschiert. Vor zwei Jahren war die
Werkbund-Siedlung auf dem Weißenhof in
Stuttgart einstarkes epochemachendes Ereignis.
Nun meldet sich Breslau mit einer großzügigen
Ausstellung gleichen Charakters.
Die Ausstellung zerfällt in zwei Teile: einmal
sind da einzelne Musterhäuser, die zeigen sollen,
zu welchen Resultaten die Architekten in
konsequenter Formung bei dieser Bauweise bisher
gekommen sind. Und dann wird auf diesem
Wege das Problem der Massenwohnung (im
Gegensatz zu der ästhetischen Lösung die soziale
) energisch angegriffen.
Daneben her geht noch eine sogenannte Hai len-
ausstellung, die den Werdegang eines solchen
Hauses veranschaulichen soll. Da erfahren wir
Interessantes über die Arbeit des Architeklen,
über neuartige Baustoffe, über Inneneinrichtung
und Gerät. Besonders reich ist da die Abteilung
der Wand- und Deckenkonstruktionen und die
Abteilung über Farbe.

Wie stets ki der Kunstgeschichte führt eine

geistige Umstellung sofort auch zu technischen
Neuerungen. Wir hören da von einem Eisenbetonständerbau
mit Schlackensteinausfachung,
von Holzfachwerkbauten mit Heraklith- oder
Tektonverkleidung, von Stahlskelettbauten sowohl
im Hochbau wie am Einfamilienhaus.
Ein Stahlrahmenhaus nach System Spiegel
wird gezeigt mit Ausfachung in Schima-Gasbeton
- und Plattenbauten nach System Kilgus.
Nur einiges können wir hervorheben: künstlerisch
sehr wertvoll erscheinen mir die Einfamilienhäuser
von Heinrich Lauterbach und
von Moritz Hadda. Da herrscht ein kühner,
klarer, trotz seiner Schärfe wohltuender Rhythmus
. Am Flaus von Laulerbach (Seite 279)
ist besonders originell die Verglasung des Vorplatzes
mit Glasbaustein. Das ergibt eine sehr
lebendige Unterbrechung der weißen geometrischen
Flächen. Ein Wohnraum in dem
gleichen Hause zeigt uns, wie dieser Stil durchdrang
bis zu den Möbeln: die dünnen, gleichsam
elastischen Beine des Tisches, der Stuhl, sich
fast einem Liegestuhl nähernd, und doch von


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