http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_60_1929/0346
AUSSTELLUNG „DIE WACHSENDE WOHNUNG", KÖLN. WOHNZIMMER
Polstermöbel von G. C. Lehmann, Köln. Holzmöbel von H. Pallenberg, Köln
DIE WACHSENDE WOHNUNG
AUSSTELLUNG DES DEUTSCHEN WERKBUNDES, ARBEITSGEMEINSCHAFT KÖLN-RHEINLAND
Wohnungsausstellungen haben heute nur Sinn,
wenn neben den Problemen der künstlerischen
Gestaltung die wirtschaftlichen Fragen nicht
vernachlässigt werden. Für diejenigen, die mit
unbeschränktem Geld und Raum arbeiten können
, ist ohnehin gesorgt; Architekten, kunstgewerbliche
Werkstätten stehen ihnen zur Verfügung
. Aber der Mittelstand, der trotz beschränkter
Lebenslage seine Ansprüche an schönes
, freudiges Wohnen nicht aufgeben möchte,
braucht dringend Anregungen zur Befriedigung
dieser Ansprüche innerhalb der gezogenen
Grenzen.
Der Kölner Architekt Joseph Op Gen Oorth hat
nun die Idee gehabt, an einem Beispiel zu zeigen,
wie man sich die Einrichtung und den allmählichen
Ausbau einer Mittelstandswohnung künstlerisch
und wirtschaftlich denken könnte. Und
zwar wählte er sich den Fall einer Familie, die
zunächst ihren Haushalt in einer Siedlungswohnung
von zwei Zimmern und Küche begründet,
dann eine Vierzimmerwohnung, hierauf eine
komfortablere Sechszimmeretage bezieht, und
schließlich ein kleines Einfamilienhaus bewohnt.
Bemerkenswert ist dabei, daß die zu Anfang angeschafften
Einrichtungsgegenstände beibehalten
und nur jeweils durch neue ergänzt werden, weil
von vornherein mehr Wert auf eine gute, brauchbare
, als auf eine modische Form gelegt wurde.
Dabei sind Experimente und Extravaganzen vermieden
. Die Möbel sind sämtlich im Handel zu
haben.
Wesentlich für das große Publikum, für das die
Ausstellung in erster Linie gedacht ist, bleibt vor
allem die Einsicht, daß das übliche „komplette"
Zimmer durch geschickt gewählte Einzelmöbel
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