Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 60. Band.1929
Seite: 284
(PDF, 75 MB)
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zu ersetzen ist. Es gehört allerdings mehr Nachdenken
und Geschmack zu einer solchen Anordnung
; dafür ist sie aber auch weniger starr als
die alte, kann fast unbegrenzt geändert und verschiedenen
Zwecken dienstbar gemacht werden,
wie z. B. der Glasschrank, der zuerst als Büfett,
später, wenn die Anrichte neben dem Eßzimmer
das Geschirr aufnimmt, als Bücherschrank dient.
Erstaunt wird mancher hier feststellen, mit wie

wenig Möbeln man im Grunde auskommen kann,
wenn diese wenigen nur gut und zweckmäßig
gebaut und zusammengestellt sind. Der Katalog
der Ausstellung (Verlag Hermann Reckendorf
G. m. b. H.) enthält neben ausführlichen Hinweisen
und reichem Abbildungsmaterial sehr
genaue Preisberechnungen, die die sehr wünschenswerte
praktische Auswirkung der Veranstaltung
wesentlich erleichtern. L. St.-E.

DIE „BREMEN

Die „Bremen" ist der Triumphator des Ozeans
geworden. Aber man irrt, wenn man ihrem
Geschwindigkeitsrekord, ihren Dimensionen,
ihrer technischen Vollkommenheit, ihrer genialen
Raumaufteilung, ihrer up to date-Organisation
die größere Hälfte des Erfolges zuschreiben
würde. Mehr noch fasziniert den Reisenden das
Milieu, der sinnliche Zauber der Kunst auf dem
Schiff. Und hier wüederum irrt man, wenn man
zu dessen Kennzeichnung das vielgebrauchteWort
vom „fabelhaften Luxus" verwendet, ohne etwas
Genaueres zu sagen.

DasAuszeichnende an der gesamten künstlerischen
Ausstattung ist vielmehr die Wohlgemessenheit,
die Anmut, die unaufdringliche Vornehmheit, die
bei allem Reichtum legere Haltung des Ganzen.
Nirgends wird jene zarte Grenze auch nur gestreift
, wo Luxus Pomp ward; überall, auch in
der letzten Steigerung, bleibt immer noch, nach
einem Worte Voltaires, „le superflu chose bien
necessaire . Es ist eine spezifisch deutsche Lösung
, welche die Aufgabe gefunden hat, und eine
Lösung, die der gegenwärtigen wirtschaftlichen
Lage Deutschlands durchaus nicht Hohn spricht.
Das muß gegen die Allzuvielen gesagt werden. Gewiß
hat der Lloyd alles getan, um die „Bremen"
auch in künstlerischer Hinsicht das „blaue Band
des Ozeans" gewinnen zu lassen; aber mehr als
Geld haben Einfall, Blick, Erfahrung, Phantasie,
Geist,Tradition an diesem Bau gewirkt. Und noch
etwas: bei dieser einzigartigen Aufgabe, in die
deutsche Handelsflotte einen ersten Bepräsentan-
ten moderner deutscher Innenarchitektur einzureihen
, lag die Gefahr nahe, krampfig oder nach
irgendeiner Seite extrem zu werden. Dies aber
ist das Bestrickende an der äußerst deutlichen
Stileinheit und dem sinnfällig „modernen" Charakter
der Ausstattung: daß sie, jedem Extremismus
enthoben, sich überzeitlich in edler Heiterkeit
und stiller Schönheit ausschwingt.
Die Dominante hat dem Ganzen Professor Fritz
August Breuhaus gegeben. Prof. Bruno Pauls

Staatszimmergruppen fügen sich mit einer leichten
Steigerung der feierlichen Note, Prof.Wachs'
Entwrürfe — vor allem zu Räumen der II. und
III. Klasse — mit einer ansprechenden Vereinfachung
dem Grundstil an. Allein Dr. Rudolf
Alexander Schröder drängt auffälliger fort davon;
die von ihm ausgestatteten Räume zeigen mehr
einen behäbig bremisch niederdeutschen Charakter
. Kein Wunder, daß ihm die Rauchsalons
I. und II. Klasse übertragen wurden; es sind seine
schönsten Arbeiten geworden.
Was soll man in Kürze von Fritz AugustRreuhaus'
Arbeiten nennen? Seinen Entwürfen entstammen
das gewaltige, durch sieben Decks gehende Treppenhaus
, die Große Halle, der Speisesaal I. Klasse,
die Separat-Speisesäle, der Theater- und Ballsaal
I. Klasse, die Ladenstraße, die Bibliothek und das
Schreibzimmer mit Ehmckes Intarsien, Buchladen
, Kinderspielzimmer, Barbier- und Frisier-
räume. Erst hier; wo der Betrachter — der in
München schon vieles davon in langen Winter-
und Frühjahrswochen werden sah, in Nymphenburg
, in der Porzellan- und Gobelinmanufaktur,
bei den Vereinigten Werkstätten für Kunst im
Handwerk, bei der Beleuchtungskörperfabrik von
Wilhelm & Co., in der Glasmalereiwerkstatt der
Mayerschen Hofkunstanstalt — das riesige Zusammensetzspiel
vollendet sieht, überwältigt ihn
die Konsequenz der Idee bei diesen Ausmaßen
und dieser Vielfältigkeit der Räume. Die Basis
seiner schwelgerischen und immer zarten Farbwirkungen
legt Breuhaus in das Pastell der Gobelins
. Gobelins an Wänden, Gobelinstoff als
Möbelbezug, Aubussonteppiche als Bodenbelag.
Aus diesem weichen und reichen Farbengrunde
wachsen Schleiflack und Edelhölzer, die bronzenen
Leuchtvasen, die Kristall-Prismen und -Lüster.
In ihm verstreut liegen die köstlichenEinzelheiten,
die der Anregung des Architekten entsprungen,von
einer Schar von Mitarbeitern geschaffen werden.
Wir kommen auf die Ausstattung der „Bremen"
im einzelnen noch zurück. Th.

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