Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 60. Band.1929
Seite: 290
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KETTE IN SILBER MIT MONDSTEINEN, KÄSTCHEN IN CLOISONNE-SILBER

Werkstätten der Stadt Halle

KUNST UND MODE

Bezeichnen wir etwas als Mode, dann sprechen
wir damit ohne weiteres eine degradierende
Kritik aus. Denn unter diesem Begriff verstehen
wir ja doch nur Relatives, zeitlich Bedingtes
, Minderwertiges, Unpersönliches, Totes, die
Herrschaft der Willkür und des Schemas.
Eigentlich also bizarr, Mode in Beziehung zur
Kunst zu denken, zu jenem imponderabilen
Reich seelisch-geistigen Lebens, das in allen Belangen
ihr schärfster Antagonist ist. Dennoch
hat die Berührung der Allgemeinheit mit der
Kunst ebenso wie mit der Wissenschaft — soweit
diese Berührung überhaupt vorhanden ist —
fast immer modischen Charakter und erschöpft
sich daher auch in blassen Äußerlichkeiten, toten
Formeln, ungeistigen Gewohnheiten. Um nur
einige Beispiele zu nennen: Man denke an die
lediglich schlagworthafte Anteilnahme an den

letzten Kunstphasen des Expressionismus
und der Neuen Sachlichkeit oder an die zeitweiligen
philosophischen, geschichtlichen oder
philologischen Moden; man denke an die Karriere
einzelner Bücher wie Chamberlains
„Grundlagen des Neunzehnten Jahrhunderts",
Marx' „Kapital", Langbeens „Rembrandt als
Erzieher", Spenglers „Untergang des Abendlandes
", oder man erinnere sich der literarischen
Salons und der grundsätzlich anderen Einstellung
der Allgemeinheit zu Kunst und Künstler
im verflossenen Siecle.

Mode — die Bedeutung des Wortes wird gemein
hin viel zu eng gefaßt. Inder Kleidung, wo
ihr Wesen in grotesker Weise sinnfällig wird, ist
sie noch am harmlosesten. Tatsächlich aber
steckt sie in allen Formen des Lebens, in Politik
und Wirtschaft, in den Gesellschaftsformen

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