Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., T 7711,d
Ecker, Alexander; Oken, Lorenz [Gefeierte Pers.]
Lorenz Oken: eine biographische Skizze; Gedächtnißrede zu dessen hundertjähriger Geburtstagsfeier; durch erläuternde Zusätze und Mittheilungen aus Oken's Briefwechsel vermehrt; mit dem Portrait Oken's und einem Facsimile der Nr. 195 des 1. Bandes der Isis
Stuttgart
Seite: 44
(PDF, 45 MB)
Bibliographische Information
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Freiburg und der Oberrhein

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Naturforſcherverſammlung war, das zeigte die Nachfolge. In Eng⸗
land, Skandinavien und Italien entſtanden ähnliche Verſammlungen
und mehrfach wurde dabei Okens rühmend gedacht. Auch Frank⸗
reich folgte nach dem großen Kriege im Jahre 1871 dem Beiſpiele,
jedoch mit einigermaßen anderen Zwecken. Während es eine Auf⸗
gabe der deutſchen Verſammlungen war, die zerſtreuten Glieder
Deutſchlands zu ſammeln und zu vereinigen, ſtrebt die franzöſiſche
darnach, der extremen Centraliſation entgegen zu wirken und wiſſen⸗
ſchaftliches Leben auch den Provinzen zuzuführen, anſtatt alles in
den einen Brennpunkt Paris zu concentriren.
Aber auch wohl andere, ſeitdem in ungezählter Menge in
Aufnahme gekommene Jahresverſammlungen der verſchiedenſten
Wiſſenſchaften, Künſte und Gewerbe (Bekleidungs⸗ und Haarkünſtler
eingeſchloſſen) erkennen in der Verſammlung der deutſchen Natur⸗
forſcher und Aerzte ihre ehrwürdige Mutter, und wenn dieſe auch
in keiner Weiſe geneigt ſein wird, die Verantwortung für Thun und
Laſſen dieſer zahlreichen Nachkommenſchaft zu übernehmen, ſo ſpricht
doch das alles auch wieder für das Zeitgemäße und Fruchtbare
des Oken'ſchen Gedankens.
Und mit der wiſſenſchaftlichen Einheit Deutſchlands wuchs
auch ganz im Stillen die politiſche heran. Es iſt längſt anerkannt,
welcher mächtige Antheil an der Pflege des Gedankens der deutſchen
Einheit unſerer Verſammlung gebührt.
Was Oken erſtrebt und erkämpft, die Einigung Deutſchlands,
Kaiſer und Reich, wir haben es erreicht. Wie aber ſtets die
Jugend die kommende Zeit vorher fühlt und verkündet, gleichſam
den anbrechenden Tag begrüßt, während rings noch tiefe Finſterniß
herrſcht und dann von den unangenehm aus dem Schlafe Erweckten der
Störung der Ruhe angeklagt wird, ſo auch der jugendliche Geiſt Okens.
Er hat in ſchwerer Zeit die Stimme erhoben, er hat die
Schläfer geweckt, er hat dafür geduldet und gelitten.
Ehren wir ſein Andenken in einer dieſen flüchtigen Tag über⸗
dauernden Weiſe!


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