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thum, welches sogar nach dem Aussterben der Karolinger
die Wahl des gemeinsamcn Königes
wenigstens dessen formelle Anerkennung' bei Konrad I.,
Heinrich I., Heinrich II., Konrad II. durchzusczen im
Stande war.
Es handelte sich nur darum, ob entweder eine
aufeinanderfolgende längere Reihe tüchtiger Kaiser
jenem monarchischen Grundsaze den Sieg verschaffen,
oder ob durch Schwäche der Epigonen den Fürsten
Macht und Gelegenheit werde, das Gebäude zu
zertrümmern, welches die Väter aufgerührt, und
das ganze deutsche Reich in Scherben gehen zu
lassen.
Lezteres wenigstens vorerst zu begünstigen, musste
das Streben des Papstthums sein, wenn es sich aus
der Abhängigkeit von den deutschen Kaisei n losreissen
und zur hierarchischen Vollgewalt über das ganze
Europa emporschwingen wollte.
Von diesem Standpunkte aus müssen die Kämpfe
betrachtet werden, in welchen das Leben Herzog
Berhtolds I. sich aufrieb, ohne dass er auch nur den
Anfang vom Ende gesehen hätte.
Denn mit Deelamationen über die ideale Stellung
der Kirche, oder des Kaiserthums in dem Culturgange
der Völker ist zulezt der Geschichtschreibung nicht
gedient, da in heftigen Kämpfen der Parteien die eine
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