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hatten. Zwar hatte dieser durch seine Schwiegermutter,
die zu diesem Behufe ihr Asyl in einem Kloster Italiens
verliess, sicheres Gehör vor dem Kaiser gefunden
und sich zu Worms gerechtfertigt.
In der Chanvoche des nächsten Jahres war .sodann
zu Augshurg die feierliche Aussöhnung Rudolphs mit
seinem Schwager erfolgt, aber dieselbe scheint nur
von kurzem Bestände gewesen zu sein, da im gleichen
Jahre alle drei Herzoge, von Alemannien, Baiern und
Kärnten sich vom kaiserlichen Hofe zurückzogen.
Dieses auffallende Beispiel abgeneigter Gesinnung
zu einer Zeit, da die Sachsen sich schon zum Kriege
rüsteten, wurde natürlich von den Feinden der Herzoge
als Majesiätsverbrechen dargestellt, welches zu
rächen die Pflicht der Selbsterhaltung fordere.
Der König versuchte nun natürlich seine Kraft
zuerst an demjenigen, welcher die wenigste Macht
zum Widerslande hatte, an Herzog Berhtold.
Diesem nahm er ohne Vorladung und rechtliches
Unheil das Herzogthum Kärnten und die Mark Verona
und ertheilte dieselben an Marcward von Eppcnstein,
den Sohn des frühem Herzogs Adalbero, seinen Verwandten
, welcher wahrscheinlich schon langst vorher
die factische Gewalt daselbst im Besiz gehabt halte.
Mit Herzog Rudolph aber wurden Verhandlungen
angeknüpft, welche diesen während der ganzen Zeit
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