Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., J 6519,baa
Gerbert, Martin; Köhler, Johann Ludwig [Übers.]
Des hochwürdigsten Herrn, Herrn Martin Gerberts ... Reisen durch Alemannien, Welschland und Frankreich: welche in den Jahren 1759, 1760, 1761 und 1762 angestellet worden; auch mit zwey Registern der Orte und merkwuerdigsten Sachen vers.
Ulm, 1767
Seite: 44
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Freiburg und der Oberrhein

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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gerbert1767/0059
44 Zuͤrch.

kommen ſind, gehalten. Noch iſt zu bemercken des Jo⸗
hann Geigers mit der Feder gemahlte Land⸗Charte des
Zuͤrchiſchen Gebietes nebſt der Nachbarſchaft, welche die
Berge, Thaͤler, Waͤlder, Waͤſſer, Wege, Graͤnzſteine
und dergleichen, nach der Erdmeßkunſt auf das genaueſte
vorſtellet. Entſtandene Streitigkeiten beyzulegen, pfle⸗
get man wenigſtens eine Abſchrift davon auf etlichen Tafeln
zu gebrauchen. Die Cardliniſche Buͤcherkammer der Chor⸗
herren in dieſer Stadt enthaͤlt viele alte Handſchriften, un⸗
ter andern ein Bibelbuch auf Regal⸗Papier, welches ſelbſt
dem Kaiſer Karl dem Groſſen ſolle eigen geweſen ſeyn,
wie man ſagt, es hat aber in der That Kennzeichen von ſel⸗
bigem Alter. *) Hievon hat Joh. Jacob Scheuchzer in
dem Alphabeth aus den Zuͤrchiſchen Freyheits⸗
Briefen und Handſchriften, ein Muſter gegeben, aber
nur in Anſehung der groͤſſern oder Fractur-Buchſtaben,
welche das Titelblatt zieren; da doch der uͤbrige Innhalt mit
kleinern Roͤmiſchen Buchſtaben geſchrieben iſt, welche dem
Herrn la Groze zum Theil als Longobardiſche vorgekom⸗
men ſind. Wir wollen hier ein anderes Schrift⸗Muſter
aus einer vortreflichen Zuͤrchiſchen Handſchrift geben, wel⸗
ches uns ein guter Freund in Kupfer geſtochen zukommen
laſſen. Es enthaͤlt eine Vorrede des H. Hieronymus in
ſich, welche vorne an denen ſogenannten Catholiſchen Brie⸗
fen ſtehet mit der Stelle 1. Johan. V. von den dreyen Zeu⸗
gen, welche in dieſem Buch ganz fehlet: da es doch aus die⸗
ſem fuͤr dem Hieronymianiſchen offenbar iſt, daß dieſe Stelle
oder dieſer Abſchnitt lange vor den Zeiten des Hieronymus
in den aͤlteſten Handſchriften des Neuen Teſtaments ſchon
von den Vaͤtern ſeye geleſen worden, die weit aͤlter als die
Nicaͤniſche Kirchenverſammlung waren. In einer etwas
neuern Handſchrift ſtehet die Roͤmiſche (Kirchen) Ordnung,
und nach demſelben unter verſchiedenen Titeln viele vortref⸗
liche Stuͤcke, was zum Kirchen und Gottesdienſt gehoͤre.
e

*) Denn es ſtellet ein ſehr deutliches Merckmal der Zeit aus des Al⸗
euinus Alter dar.


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