Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., J 6519,baa
Gerbert, Martin; Köhler, Johann Ludwig [Übers.]
Des hochwürdigsten Herrn, Herrn Martin Gerberts ... Reisen durch Alemannien, Welschland und Frankreich: welche in den Jahren 1759, 1760, 1761 und 1762 angestellet worden; auch mit zwey Registern der Orte und merkwuerdigsten Sachen vers.
Ulm, 1767
Seite: 115
(PDF, 121 MB)
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Freiburg und der Oberrhein

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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gerbert1767/0134
mit dem Kloſter Mehrerau. II5

Pabſt Pius des vierten von der Schweſter her Enkel, der
h. Roͤmiſchen Kirche Cardinal und Biſchof zu Conſtanz,
der andere gleiches Zunamens Erzbiſchof zu Salzburg ge⸗
weſen. Man ſagt auch, daß in dem Schloß unter andern
Koſtbarkeiten ein herrlicher Vorrath vornehmlich von alt
deutſchen Handſchriften aufbehalten werde. Nicht weit
davon liegt Ranckweil, welches ehemals das hoͤchſte Ge⸗
richt vieler Provinzen geweſen, deſſen Richter adeliche wa—
ren, unter dem Vorſitz derer Herzoge von Alemannien
und Rhaͤtien, und nachgehends der Grafen von Montfort,
wie ſolches Gabriel Bucelin in ſeiner Ortbeſchreibung
von Buͤnden bezeuget. Der h. Fridolinus ſoll dieſen
Ort und dieſen Gerichtshof durch ein herrliches Wunder⸗
werk beruͤhmt gemacht haben. Denn als der Fuͤrſt Lan⸗
dulphus die Guͤter, welche deſſen Bruder im Teſtament
der Kirche vermachet hatte, auf eine kirchenraͤuberiſche Wei—
ſe an ſich zog; ſo ſolle ihn der h. Fridolinus, als
Baldebert, unter dem Clodovaͤus der oberſte Richter
war, fuͤr Gericht gefordert, ſodann des Landulphus Bru⸗
der, den Urſus, von den Todten aufgewecket, und ihn wi⸗
der ſeinen Bruder zu einem Zeugen dargeſtellet haben.

*&ρS⸗
Veldkyrch.

Ve hier aus gehet der Weg durch Thaͤler, welche zwi⸗
ſchen ſehr ſteilen Felſen liegen, und wo doch Gaͤrten
und Weinberge angeleget ſind, nach Veldkyrch, welches
man auch Phaͤnia heiſſet. Es kommt uns ganz wahr⸗
ſcheinlich vor, auf der Landcharte des Peutingers, welche
in des Theodoſius Zeiten zu ſetzen, daß Vania oder Pha⸗
nia ſich in Clunia abgeaͤndert habe. Die Stadt iſt un⸗
gemein angenehm, und war ehemals an adelichen Geſchlech⸗
tern ſehr beruͤhmt, wie dann auch dermalen die Pfarrkirche,
nebſt der ungemein ſchoͤnen Eiſenarbeit an der Kanzel, mi
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