http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gerbert1767/0148
Kempten. 129
Stiftungsbriefes, deſſen Unterſchrift anzeiget, daß ſolche
im Jahr der Geburt des HErrn 773. da die Roͤmer⸗Zinß⸗
Zahl 11. war, der Regierung des gottſeligſten Karls im
ſechſten und des Reiches im erſten Jahr geſchehen. Ge⸗
ſchehen zu Rom an dem h. Oſtertag in der Kirche
des h. Veters, in Gegenwart des Pabſtes Adria⸗
nus und vieler andern Fuͤrſten, im Namen GOt⸗
tes, gluͤckſelig, Amen. Eine alte Innſchrift, ſo in
eine Saͤule des Kloſters eingemachet iſt, lautet folgender
maſſen:
HILDEGARDIS DCCLXXIII. F§yNDAVIT
CAROLVS DCCLXXIV. CONFIRMAVIT
ADRIANVS DCCLXXVII. DEDICAVIT
ANDELGARIVS DCCLXXVIII.
INCHOAVIT.
Hier ſiehet man, daß die Beſtaͤttigung Karls in das Jahr
774. zu ſetzen. In dieſem Jahr hat Karl, nach vieler
Meinung, das Oſterfeſt zu Rom gefeyert. Wie wohl die
Fuldiſch⸗ und andere Jahrbuͤcher der Franken das 773.
Jahr ſetzen. Die Erzaͤhlung des ſel. Theodorus *), des
Einſiedlers, eines Schuͤlers vom H. Columbanus, mel⸗
det in dem Leben des H. Magnus unter andern folgendes:
Es kamen naͤmlich im Jahr 628. der ſelige Man⸗
gold und Theodor an den Ort, welcher Rempten
heißt, daſelbſt traffen ſie eine ſehr angenehme, aber
gaͤnzlich verlaſſene Stadt an ꝛc. Da aus dieſen
Worten erhellet, daß die Stadt gaͤnzlich verlaſſen geweſen,
deren Alter doch die Buͤrger in Kempten zum Vortheil ihrer
Rechte hoͤher angeben, als das Alter des Kloſters; ſo iſt
es wunderbar, daß ſie dieſe Erzaͤhlung gelten laſſen.
Mabillon haͤlt das Buch des Theodor fuͤr unter⸗
” geſcho⸗
*) Im 2. B. 2. Cap.
Serrn Fuͤrſt u. Abt Gerberts Reiſen. J
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gerbert1767/0148