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Kempten. 131
etwas von reinem Metall darunter, welches nicht
ganz weggeworfen zu werden verdienet. Und
ein ſolches iſt, daß die KRoͤnigin Hiltegard, auf
Bewilligung des Koͤniges Karls, aus ihren muͤt⸗
terlichen Erbguͤtern das Kloſter Kempten ſolle
geſtiftet, oder wenigſtens vergabet, und den er⸗
ſten Abt, den Andegarius, von welchem wir ge⸗
ſagt, dahin geſetzet haben.
Dieſe Worte ſind gut, aber mit ſolchen Bedingungen
abgefaſſet, daß es ein jeder gar leicht merket, was fuͤr einen
Streich ſie dem Alterthums⸗Weſen verſetzen. Es hat ſol—
ches auch der Erfolg gezeiget, ohnerachtet Papebroch dem
Mabillon den Sieg eingeſtanden, jenem Retter der alten
Urkunden, und der wahren aus unzaͤhlichen aͤchten Schrif⸗
ten hergenommenen Kennzeichen, die alten Schriften zu un⸗
terſcheiden. Dann Papebroch will nur ſehr wenigen,
vornehmlich aber, in Anſehung des Merovingiſchen Alters,
nur einer einzigen Urkunde des H. Maximinianus Glau⸗
ben beymeſſen, da doch Mabillon, und nachgehends ſei⸗
ne Ordensbruͤder, die Verfaſſer des neuen Urkunden⸗Wer⸗
kes, bewieſen haben, daß dieſe Urkunde viel mehr, als alle
andere, unterſchoben ſeye. Dieſe tretten jezo auf den Kampf⸗
platz wider einen Haufen von Gelehrten, die viel weiter aus⸗
ſchweifen, und allen ſchriftlichen Urkunden, welche vor dem
zwoͤlften Jahrhundert gemachet worden, die Verwerfung an⸗
drohen. Und zwar hat man nicht nur eine einzigeUrkunde, oder
einen Freyheitsbrief angetaſtet, dergleichen manchmalen, be⸗
ſonders in unſerm Deutſchland geſchehen iſt, ſondern man
hat alle alte Schriftenbehaͤltniſſe angegriffen, und dieſer
Streit iſt in Frankreich ausgebrochen. Jene gelehrte zwey
Maͤnner ſagen hievon folgendes?): In allen derglei⸗
chen Streitigkeiten ware zwiſchen den deutſchen
Verfaſſern nur eine Zaͤnckerey uͤber eine einzige
Urkunde, oder hoͤchſtens nur uͤber einen Frey⸗
J 2 heits⸗
*) Im I. Band, Vorrede. S. XXV.
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