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Augſpurg. 171
daß er die Frucht, welche die Kirche aus deſſen heiligen Re⸗
den ſchoͤpfen konnte, erſtickte. Wir hatten ſehr gewuͤnſchet
und bey uns beſchloſſen, da wir zu Augſpurg waren, ihn
predigen zu hoͤren, indeme man ſagte, daß er Abſchied neh⸗
men werde, weil deſſen gedruckte Predigten von jedermann
gelobet werden. Alleine da wir unſere Sachen geſchwinder ver⸗
richtet hatten, ſo haben wir uns nicht laͤnger aufhalten koͤnnen,
ſondern am ſechſten des Heumonats uns zu unſerer Abreiſe
angeſchicket, nachdeme wir vorhero die Meſſe bey dem h.
Kreuz in der Kirche der regulirten Chorherren geleſen. In
dieſer Kirche wird ſchon bey ſechshundert Jahre ein verwan⸗
deltes Opferbrod aufbehalten, und denen, die es zu ſehen
verlangen, gezeiget, welches eine gewiſſe Frau aus der
Hand des Prieſters empfangen, ſolches aber wiederum heim⸗
lich aus dem Mund gezogen, in ein Wachs eingeſchloſſen,
und ſolches zu Haus zu ihrer beſondern Andacht fuͤnf Jahre
aufbehalten. Endlich wachte ihr das Gewiſſen auf, inde⸗
me ſie Tag und Nacht keine Ruhe mehr hatte; und ſie
brachte den Heiligen Leib Chriſti, ſo wie er in das Wachs
eingeſchloſſen war, dem Domprobſten. Als derſelbe das
Wachs von einander that, ſahe er mit Erſtaunen, daß das
verwandelte Opferbrod eine blutige Farbe angenommen. Er
wickelte das Wachs wieder zuſammen, und zeigte die Sa⸗
che dem Udalſchalk, damaligen Biſchof zu Augſpurg,
an, welcher mit einem Umgang von Geiſtlichen und dem
Volke von der h. Kreuzkirche bis zum Dom mit feyerlichem
Pracht ſolches abgeholet, woſelbſt es ehrerbietig niederge⸗
legt worden, da es von Oſtern an bis auf das Feſt Johan⸗
nes des Taͤufers ſich in dem Wachs dergeſtalten vergroͤſ⸗
ſert und vermehret, daß es ſich endlich aus dem Wachs ſel⸗
ber heraus wickelte. Darauf that man ſelbiges in ein
Cryſtall, nebſt dem Wachs, welches man beſonders geleget,
und brachte es mit eben der Pracht, mit welcher man vor⸗
hin es zur Hauptkirche der Jungfrau Maria getragen, wie⸗
derum zur Kirche des Kloſters vom h. Kreuz zuruͤcke.
Hier wird es nun bis auf den heutigen Tag verwahrlich auf—
behalten,
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