Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., J 6519,baa
Gerbert, Martin; Köhler, Johann Ludwig [Übers.]
Des hochwürdigsten Herrn, Herrn Martin Gerberts ... Reisen durch Alemannien, Welschland und Frankreich: welche in den Jahren 1759, 1760, 1761 und 1762 angestellet worden; auch mit zwey Registern der Orte und merkwuerdigsten Sachen vers.
Ulm, 1767
Seite: 215
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Freiburg und der Oberrhein

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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gerbert1767/0237
Weingarten. 215

dahin gehet auch die Gottesgelahrtheit des h. Thomas in
eben dieſer Stelle: was immer zur Natur des menſchlichen
Leibes gehoͤret, das ſeye ganz in dem Leibe des auferſtehenden
Chriſtus geweſen.

Allein Pater Auguſtin iſt keiner von denjenigen,
welche auf die Meinung ihres Meiſters ſchwoͤren, er be⸗
ſtreitet dieſe Meinung unter den Schullehrern, welche auch
das beweiſen koͤnnte, daß nicht das geringſte mehr von dem
h. Blut an den Werkzeugen des HErrn Leidens uͤbrig waͤre,
z. B. an der Saͤule Chriſti, wie ſolches der h.Hieronymus
und ein anderer alter Schriftſteller im II. Band der Buͤcher⸗
ſammlung der Vaͤter von Lyon bezeugen, in dem
Leinwand zu Turin und Beſancon, in der Dornenkrone zu
Clermont ꝛc. ja ſelbſt auch an dem Theilgen des h. Kreuzes
wie in unſerer zu St. Blaſien bey dem Loch des Nagels
nicht undeutlich zu ſehen iſt, vobey man gewiß ganz anderſt
urtheilen muß, als bey den beſondern Tropfen, welche ſonſtwo
andaͤchtiglich aufbehalten werden. Zwar haben wir in den
Grundſaͤtzen der Gottesgelahrtheit in Anſehung
des oͤffentlichen Gottesdienſtes geſaget, es komme
uns uͤberhaupt vor, daß die Tropfen von dergleichen hoch—
heiligen Blut aus verwundeten Bildern uͤbrig ſeyen, wir
ſahen dabey aber nur auf die geſchichtliche Ueberlieferung
der erſten Jahrhunderte, da wir ſonſt keinen andern Grund
hatten. Da wir nun unſerm ſehr wertheſten Freund,
dem P. Auguſtin, dieſen Zweifel entgegen hielten, als wir
zu Weingarten das heilige Blut Chriſti anbetheten; ſo
gab er uns zu ſeinem Vortheil die Antwort, weilen erſtlich
im neunten, und hernach wiederum im eilften Jahrhundert
ein vergrabener Theil des heiligen Blutes zu Mantua
ſeye gefunden worden, ſo ſeye es vergeblich, vorhergehende
Beweisgruͤnde zu fordern. Es erzaͤhlen die Wein garti⸗
ſchen Zeit⸗ und Geſchichtbuͤcher, auf dem bleyernen Gefaͤß,
welches das Blut des HErrn in ſich gehabt, waͤren folgende
lateiniſche Worte eingeſtochen geweſen: Ich Longinus
O 4 ehemals


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