Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., J 6519,baa
Gerbert, Martin; Köhler, Johann Ludwig [Übers.]
Des hochwürdigsten Herrn, Herrn Martin Gerberts ... Reisen durch Alemannien, Welschland und Frankreich: welche in den Jahren 1759, 1760, 1761 und 1762 angestellet worden; auch mit zwey Registern der Orte und merkwuerdigsten Sachen vers.
Ulm, 1767
Seite: 284
(PDF, 121 MB)
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Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



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284 Rothweil.

Gericht wegzunehmen, es ſeye dann in dem Fall, daß die
Rothweiler wegen verſagten Rechtes und Gerechtigkeit ſich
deſſen unwuͤrdig machen wuͤrden; ſo ſollten ſie, die Schweizer,
ſelbige wider alle Anforderungen und Anfaͤlle beſchuͤtzen. Die
Fuͤrſten von Schwarzenberg, welche in die Stelle der Grafen
von Sulz als Erb⸗Richter gekreten, vertheidigen ebenfalls
ihr Recht auf das beſte. Und unter dieſem Titel kommt zu
Anfang des XIV. Jahrhunderts beym P. Herrgott der
Graf Hermann vor: Dem Edlen und Erwuͤrdigen
Herren Graven H. von Sulze des Roͤmiſchen Ku⸗
niges Hofrichtere, oder ſwer an ſeiner Statt ſizet.

In andern Denkmaalen bey erwaͤhntem P. BHerr gott
wird nicht allemal ausdruͤcklich gemeldet, daß die Grafen
von Sulz die Richterſtelle begleiten, wenn andere Richter
vot kommen. Ja dieſes Amt haben ſogar die Kaiſer in
eigener Perſon verwaltet, welches ein Anzeigen iſt, daß die
Grafen von Sulz ſolche Gerichtbarkeit damals noch nicht
als ein Lehn beſeſſen, wie hernach, und heutiges Tages die
Fuͤrſten von Schwarzenberg ſolche inne haben, und eben die⸗
ſes zur Behauptung des Gerichtes und ihres Rechtes vor⸗
nehmlich als einen Grund anfuͤhren. Es beſtehet dieſes
Gericht indeſſen noch gegenwaͤrtig, und auſſer der Stadt
ſiehet man unter freyem Himmel ausgehauene Steine fuͤr
den Richter und die Beyſitzer, welche nun aus denen Buͤr⸗
gern zu Rothweil gewaͤhlet werden, da man ſie vor Alters
aus dem Adelſtande genommen. Stolizas wird in den
Longobardiſchen Geſetzen I. Tit. 19. derjenige ge⸗
nennet, welcher im Namen des Koͤnigs der Vorſteher des
Gerichtes war, op dem Stohl, oder auf dem Stuhl
mit den Beyſitzern, und die Richter der verborgenen Gerichte
wurden Stuhl⸗Herren geheiſſen. In dieſem Verſtande
wurde dieſes unſer Hofgerichte der Stuhl zu Rothweil
genennet: und auch jezo noch Schoppen Stuͤhle (Scabi-
natus) benamſet, wie ſolches Joh. Chriſtoph Nehring
in ſeinem Woͤrterbuch angemerket.
Oberndorf.


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