Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., J 6519,baa
Gerbert, Martin; Köhler, Johann Ludwig [Übers.]
Des hochwürdigsten Herrn, Herrn Martin Gerberts ... Reisen durch Alemannien, Welschland und Frankreich: welche in den Jahren 1759, 1760, 1761 und 1762 angestellet worden; auch mit zwey Registern der Orte und merkwuerdigsten Sachen vers.
Ulm, 1767
Seite: 327
(PDF, 121 MB)
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Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gerbert1767/0351
Murbach. 327

bach vereiniget, und ehemals eine freye Abtey des roͤmiſchen
Reiches geweſen iſt, weswegen der Abt, der einer aus denen
vier vornehmſten Fuͤrſten des H. Benedicts⸗Ordens iſt,
eine gedoppelte Stimm auf dem Reichstag gehabt. Der
dermalige Vorſteher hat ſich lange nach allen Kraͤften wider⸗
ſetzet, und ſich endlich ungern entſchloſſen, den Gottesdienſt
zu veraͤndern. Er iſt ein Mann von beſonderer Beſcheiden;
heit und Hoͤflichkeit, wie er uns dann mit einer ungemeinen
liebe aufgenommen, und uns gleich ſelbſt in die Schriften⸗
Kammer gefuͤhret. Hier ſahen wir eine groſſe Menge von
Urkunden von mehr als tauſend Jahren her in ihren ur⸗
ſpruͤnglichen Schriften ein. Wir hatten derſelben Samm⸗
lung ſchon zu Strasburg in einem groſſen Band bey
dem Schoͤpflin geſehen.

Indeme wir aber des folgenden Tages nach Nurbach
verlangten, gab er uns den Herrn Dechant ſelbſt zu einem
Begleiter mit, welcher die zweyte Stelle nach dem Fuͤrſten
hat, und der Grosdechant pfleget genannt zu werden,
hingegen in dem Kloſter Luterbach der Grosprior, welcher
daſelbſt nach dem Fuͤrſtlichen Abt der Verſammlung vorge⸗
ſetzet iſt. Das Kloſter Murbach liegt in einem Schlunde
zwiſchen ſehr hohen Bergen, wo allgemach von Abend her
der Berg Belus oder Belch in die Hoͤhe ſteige. Beym
Urſtiſius iſt dieſes ein allgemeiner Name, mit welchem
die hohen Gipfel der Berge ehemals bezeichnet wurden, und
unter dieſem Namen liegt auch ein anderer in den Graͤnzen
der Grafſchaft Burgund gegen Elſaß zu. Ingleichem noch
einer auf unſerm ſchwarzen oder Marcianiſchen Wald, ein
Nacheiferer eines ſehr hohen gerade gegenuͤber ſtehenden
Berges, Feldberg genannt, desgleichen ein Nacheiferer
des Elſaßiſchen Belchs. Doch, damit wir von hier wieder
in unſer Murbach zuruͤcke kehren, ſo haben wir uns nicht
genug verwundern koͤnnen, daß man erſt alsdann den An⸗
ſchlag faſſen koͤnnen, nachdeme ein neuer und ſehr geraͤumiger
Bau des Kloſters ſchon faſt fertig geweſen, dieſen Ort zu


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