Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., J 6519,baa
Gerbert, Martin; Köhler, Johann Ludwig [Übers.]
Des hochwürdigsten Herrn, Herrn Martin Gerberts ... Reisen durch Alemannien, Welschland und Frankreich: welche in den Jahren 1759, 1760, 1761 und 1762 angestellet worden; auch mit zwey Registern der Orte und merkwuerdigsten Sachen vers.
Ulm, 1767
Seite: 328
(PDF, 121 MB)
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Freiburg und der Oberrhein

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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gerbert1767/0352
328 Murbach.

verlaſſen, aus welchem ſo viele durch Gottſeligkeit, Ge⸗
lehrſamkeit und kirchliche Wuͤrden beruͤhmte und herrliche
Maͤnner herfuͤrgegangen von dem Anfang des achten Jahr⸗
hunderts an, da der H. Pirminius zur Ehre des H. Blut⸗
zeugen Leodegarius das Kloſter unter Theoderich V.
auf Unkoſten Grafens Eberhard gebauet hat. Dieſes
erhellet aus einer aͤchten Urkunde, und ſein Grab mit deſſen
in Stein gehauenen Bildniß, welches vor fuͤnfhundert Jahren
geſetzet worden, iſt noch uͤbnig. Man hat neulich erſt die
alte Kirche abgebrochen, der Chor aber wurde nicht ent⸗
weihet, ſondern zu einer Kapelle gemacht, woſelbſt zur linken

Hand des Eberhards Grab ſtehen geblieben.

In dem Buͤcherſaal befindet ſich ein ungemein reicher
Vorrath von Handſchriften, und zwar von allerhand Gat⸗
tungen alter Schriften und Buchſtaben. Ein Buch mit
Fracturbuchſtaben geſchrieben kommt an Alter dem Anfang
des Kloſters gleich, oder uͤberſteiget ſelbigen noch. Es ent⸗
haͤlt dreyzehen Predigten vom Origenes uͤber das zweyte
Buch Moyſes. Man hat den Oſtercirkel des Victurius
oder Victorius an den Pabſt Hilarius mit kleiner Fractur
vermiſcht ſehr ſchoͤn geſchrieben in eben dieſem Buch, mit
des S edulius Gedichten mit Angelſaͤchſiſchen Buchſtaben.
Eben ſo ſind auch die Briefe Pauli daſelbſt geſchrieben.
Es iſt ferner ein ungemein zierlicher Band der Evangelien
in Schottlaͤndiſcher Schrift da befindlich. Eine Pflanz⸗
Geſellſchaft von Schottlaͤndern hat zu Erbauung der Abtey
Murbach Gelegenheit gegeben, welche ſich in der Nachbar⸗
ſchaft des heutigen Kloſters zu Ausgang des VII. Jahr⸗
hunderts niedergelaſſen, und deswegen iſt dieſer Ort der
Pflanzgaͤrten der Fremden genennet worden. Einige
kleine Werke des H. Auguſtinus und des H. Gregorius,
welche Sittenlehren in ſich halten, ſind mit Merovingiſchen
Buchſtaben geſchrieben. Man hat auch eine dahin gehoͤrige
Schrift mit dieſem Anfang: Im Namen des Vaters,
und des Sohnes und des heiligen Geiſtes faͤngt
an


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