Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., J 6519,baa
Gerbert, Martin; Köhler, Johann Ludwig [Übers.]
Des hochwürdigsten Herrn, Herrn Martin Gerberts ... Reisen durch Alemannien, Welschland und Frankreich: welche in den Jahren 1759, 1760, 1761 und 1762 angestellet worden; auch mit zwey Registern der Orte und merkwuerdigsten Sachen vers.
Ulm, 1767
Seite: 414
(PDF, 121 MB)
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Freiburg und der Oberrhein

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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gerbert1767/0438
41¹4 Venedig.

Mit dieſen Herren haben wir, ſo weit es unſere gelehrte
Bemuͤhungen erforderten, zu Padua zu thun gehabt.
Vornehmlich aber mit dem Abt Johann Brunaccio, ei⸗
nem treflichen und arbeitſamen Alterthumskenner. Auſſer
einigen einzelnen Werklein, welche er ans Licht geſtellet, hat
er eine groſſe Sammlung von alten Urkunden gemachet,
welche zur urkundlichen Geſchichte von Padua die⸗
nen, und hat ſolche vor einigen Jahren zu Stande gebracht.
Er faͤnget die Beweis⸗Urkunden aus denen Schriftenkamern
vom Jahr 819. mit einem offenen Briefe an, in welchem
die Graͤnzen derer Paduaner und Venetianer, das iſt, des
Italieniſchen Reiches und des Herzogthums Venedig, ange⸗
zeiget werden. Den erſten urſchriftlichen Brief aber ſtellet
er vom Jahr 855. auf, und diefer iſt von Ludwig dem
Zweyten. Hernach bringt er bis zum Jahr 1199. drey
tauſend und ohngefehr uͤber zweyhundert Urkunden vor, die
alle noch unausgegeben ſind, und miteinander zum Kirchen⸗
ſprengel und der Grafſchaft Padua gehoͤren. Dieſes ur⸗
kundliche Buch wird in dem Tagbuch von Florenz ange⸗
geben, daß es 6000. Urbriefe in ſich halle. In dem
Schreiben des Valvaſenſis, eines Venetianers, heißt
es acht bis neun tauſend. Unſere Nachricht aber iſt, wie
wir ſie aus dem Munde des Brunaccio ſelbſten gehoͤret,
und mit eigenen Augen geſehen. Alles iſt ſauber und auf
das genaueſte mit ſeiner Hand abgeſchrieben, und die Siegel
auf das ſchoͤnſte abgezeichnet. Er beſitzet auch einen herr—
lichen Vorrath ſolcher Siegel und Muͤnzen aus der mittlern
Zeit. Sie dienen nicht nur fuͤr das PHaduaniſche Muͤnz⸗
weſen, wovon er geſchrieben, ſondern auch zur Erlaͤuterung
der Geſchichte der mittlern Zeit von ganz Europa.

ðdo· Obdos O6do 690° °ο90π☚ο0 Wι0- ₰ 90- ο690-

Venedig.

Ver Padua ſchiffeten wir nach Venedig, woſelbſt das
D edle Geſchlecht derer Tiepoli ein ſehr groſſee Muz⸗
abinet


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