Universität Freiburg, Musikwissenschaftliches Seminar, Bibliothek, Frei 14: V/230/GLAR/1 (R)
Glareanus, Henricus Loriti; Bohn, Peter [Übers.]
Glareani Dodecachordon
Leipzig, 1888
Blatt: X
(PDF, 100 MB)
Bibliographische Information
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Drucke des Humanismus und der Reformationszeit

  (z. B.: IVa, 130a, IVb, 130b; Achtung: bei Originalseitenzählung "IIII" muss hier "IV" eingegeben werden)



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X

Einleitung.

ich alle, welche mir wohlwollen, und welche nicht wollen, dass ich dieser Beschuldigung unterliege
, getrosten Mutes zu sein; denn leicht werde ich die Beweise der gegnerischen Partei
widerlegen, wenn ich über jenen lacedämonischen Volksheschluss werde gesprochen haben.
Athenäus s agt an der angegebenen Stelle, dass, als dem Timotheus ein Lacedämonier die überzähligen
Saiten auf seiner Lyra abschneiden wollte, dieser ihm zu verstehen gegeben habe,
es sei auch bei den Spartanern einer, welcher sich einer gleichen Anzahl Saiten auf der Lyra
bediene; und auf diese Anzeige hin sei er entlassen worden. Weil inbetreff dieser Geschichte
verschiedene Meinungen bestehen, und es nicht fest steht, (worauf doch viel ankommt) ob die
Schriftsteller, welche die Verurteilung des Timotheus mitteilen, von den Saiten der Lyra
oder denen der Cühara sprechen: und da er ferner durch das Hinzufugen neuer Saiten zur
Cither Lob verdient, wie er ja auch mit Histiäus aus Colophon von allen Lehrern dieser Kunst
gelobt wird, weil er aus dem Enneachord das Hendecachord gemacht habe, so können
wir dieses weglassen und zur Sache selbst übergehen. „ Diejenigen, welche da schreien, wir
hätten über die 12 Modi eine neue Erklärung eingeführt, zeigen fürwahr vortrefflich, dass sie
nur ganz oberflächlich die alten Schriftsteller gelesen, ja dass sie sich nur mit dem Usus dieser
paar Jahrhunderte beschäftigt haben, in denen zur Absingung der Psalmen acht oder neun
Modi ausreichten. Jedoch wir müssen Autoren beibringen, wenn auch wenige, aber doch
solche, welchen man Glauben schenken muss. Plato, der öfter der Modi gedenkt, nennt sie
Harmonien und zählt lib. 3 de republ. sechs Hauptmodi auf; wenn wir nur diesen die
einzelnen plagalischen Modi beifügen, kann man dann leugnen, dass es zwölf Modi giebt?
Nach demselben Autoren und dessen ebenso gelehrtem Schüler Aristoteles erhellt klar, dass
zu dieser Zeit die Kenntnis der Modi allen Gelehrten sehr geläufig war. Den Aristoxenus
haben wir nicht g-elesen; aber alle halten ihn für den Autor der zwölf Modi, indem sie auch
die Namen derselben angeben, welche wir in dem zweiten Buche dieser Abhandlung folgen
lassen wollen. Ich übergehe hier die unzähligen Griechen, von denen viele sogar ins Lateinische
übersetzt sind. Unter den römischen Schriftstellern stellte Boethius, wirklich ein lumen d^er
Kunst, sieben Oktavengattungen auf, aus welchen leicht zwölf, oder wenn man will, vierzehn
Modi durch die arithmetische ,ua4«teEmonisehe Teilung erlangt werden. Denn er sagt nicht
nur an einer Stelle, die achte Oktavengattung sei dieselbe wie die erste und von Ptolemäus
besonders deshalb zugefügt, um das gröfste System, das der Doppeloktave, auszufüllen; andernfalls
würden es sechzehn sein, die wir mit Auslassung der zwei unechten mit Aristoxenus
zu zwölf ansetzen. Martianus Capella zeigt uns deren fünfzehn, über die wir gehörigen
Ortes sprechen werden. Die römische Kirche bedient sich bei den Intonationen der Psalmen
neun Modi, hat jedoch Gesänge in dreizehn Modi, wie wir in dem zweiten Buche durch
Beispiele aus den Kirchengesängen zeigen werden. Georg Valla begnügte sich-damit, die
Meinungen der Einzelnen durchzugehen, und, was er irgendwo über die Musik Geschriebenes
fand, zusammenzuhäufen. So hat auch der mehr als zwölf Modi Daher ist ausgemacht, dass
diese unsere Annahme von zwölf Modi nichts Neues, sondern eine > nützliche Erneuerung des
Altertums ist. Aber dieses braucht der Leser nicht zu glauben, bis ich es durch mathematische
Berechnungen bewiesen und die Regeln durch sehr klare Beispiele dargethan habe, was, wie
ich überzeugt bin, in den zwei letzten Büchern geschehen ist. f&brigens pflege ich mich häufig
zu wundern, dass, während in unserer Zeit sich doch niemand des bei den Alten so sehr gebräuchlichen
chromatischen und enharmonischen Tongeschlechtes bedient, doch alle
Musiker unserer Zeit sie immer und immer wieder vorbringen und beinahe ängstlicher über
diese Anleitung geben, als über das diatonische Geschlecht, dessen wir uns ausschliefslich
bedienen. Wir haben dieses soviel als möglich in diesen Büchern vermieden, und nachdem


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