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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gotthelf1870/0012
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EINLEITUNG.

wendig, sodann unentbehrlich und darum rechtmässig, weiter
rechtmässig aber in einzelnen Fällen nicht mehr nothwendig,
und gegenwärtig glaubt eine immer grössere Anzahl Menschen,
sie sei in den meisten Fällen nicht mehr nothwendig und
daher in diesen Fällen auch nicht mehr zulässig, rechtmässig.

Wir würden jedoch die gegenwärtig unaufhaltsam zum Sieg
vordringende Macht der Gegner der Todesstrafe aus falscher
Quelle ableiten, wollten wir annehmen, sie verdanken dieselbe
ihren litlerarischen Bemühungen und praktischen Versuchen.
Grosse gute Menschen weiten Blickes und weichen Herzens haben
Grundsätze aufgestellt und Schlüsse gezogen, ihrer Aufgabe
mit ganzer Seele hingegeben, allein Beweiskraft verlieh ihren
Grundsätzen wie ihren Schlüssen doch erst die Zeit, in der
sie leben. So wenig man sich auch dessen bewusst werden
will, die Frage von der Todesstrafe ist gar keine einzelne und
kann nie für sich gelöst werden. Ob die Todesstrafe beibehalten
wird oder aber abgeschafft, das hängt nie davon ab, ob
sie eine gute oder eine schlechte Strafe sei, sondern, so sonderbar
dies auch klingen mag, einfach davon, in welchem Ver-
hällniss an einem gewissen Orte und zu einer gewissen Zeit
der Staat und der Einzelne zu einander stehen; m. a. W. dass
vor Zeiten eine Todesstrafe eingeführt ward und sehr lange
bestand und dass diese selbe Todesstrafe nun abgeschafft wird,
rührt daher, dass in dem Verhältniss zwischen dem Staat und
dem Einzelnen eine grosse Veränderung^ eingetreten ist. Der
Staat hat zwar sehr viel von seiner frühern äussern Unbe-
schränktheit verloren, die Persönlichkeit der Einzelnen ist ihm
gegenüber eine geheiligtere; doch mehr, als er auf dieser Seile
verlor, gewann er anderseits an Volkstümlichkeit, die Theil-
nahme der Bürger am staatlichen Leben ist eine viel allgemeinere
, ihre freiwillige Unterwerfung unter das weniger willkürlich
gewordene Slaatsgesetz eine viel unbedingtere als je zuvor.
Diese Wurzeln im Volksbewusstsein geben dem Staat das Gefühl
einer bisher nicht gekannten Sicherheit und Stärk - und
je stärker er sich weiss, desto milder werden seine Strafen.
Nehmen wir einige Beispiele zu Hülfe. Früher, als noch die


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