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DIE SCHRIFT UND DIE TODESSTRAFE.

(2 Könige 23: 20) bei ihren gewaltsamen Reaktionen nicht,
dasselbe am Volksganzen zu vollstrecken; sie schlachteten nur
die Baalspfaffen. Wir haben also hier gar keine regelmässig
eintretende Todesstrafe, so wenig, dass nach Lev. 20: 2—5
Kinder ungestraft dem Moloch geopfert werden und der Gesetzgeber
in seiner Verlegenheil nur an die Rache des Himmels
appelliren kann. Die Stellen Levit. 24: 10—16 und Num. 15:
Z%—56, welche die Tödtung eines Gotteslästerers und eines
Sabbatschänders auf einen unmittelbaren göttlichen Befehl zurückführen
, sind spät eingeschobene und noch dazu erfundene
Präcedenzfälle, jedes Wüstenkolorits entbehrend. Bloss um zu
schrecken, um sich selbst und seine Interessen mit unnahbarer
Heiligkeit zu umgehen, hat der immermehr auf die Aaroniden zusammenschrumpfende
Priesterstand die noch übrigen kleinlichen
Verordnungen erlassen, doch, zu seiner Ehre sei es gesagt, wohl
kein einziges Mal die auf ihre Ueberlrelung gesetzte Todesstrafe
vollstreckt, sondern das immer Gott überlassen müssen — wie
angeblich 2 Sam. 6: 6, 7.

Aus diesen Erörterungen dürfen wir doch nun den Schluss
ziehen, dass zwar allerdings das alltestamenlliche Gesetz auch
da Todesstrafe verhängte, wo ihm dieselbe nicht vom, Volk
abgenölhigt war, aber entweder hat es sie später selbst wieder
aufgehoben (Zauberei) oder es hat dadurch dass es sie aussetzte,
bloss abschrecken wollen und in diesem Fall sie gar nie regelmässig
vollstreckt (Götzendienst, Unzucht und die kleinen theo-
kralischen Vergehen), oder endlich es hat sie vollstreckt und
nie aufgehoben (Bruch der Ehe, des Verlöbnisses, der Jung-
frauschaft), dann aber Ihat es dies aus staatlicher, also zeitweiliger
Notwendigkeit, in humaner Absicht, aus eigner Machtvollkommenheit
und nie aus gölllichem Recht. So ist also auch
hier alles beweglich, im Fluss, alles relativ, nichts absolut,
alles durch die veränderliche Zeit und ihre Bedürfnisse bedingt,
nichts von allem Anfang an und auf ewig fest.

Wir unterwerfen diesen Schluss noch einer letzten Probe,
derjenigen durch die Geschichte Israel's. Zur Zeit seiner ersten
Könige wogte der Kampf für die Blutrache und gegen das sie


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